Berliner Schulbibliotheken in Corona-Zeiten

Während die großen Bibliotheken geschlossen hatten und die Schulen ihr Seepferdchen im Online-Unterricht machten, waren viele Schulbibliotheken mächtig gefordert. Einige Schulbibliotheken waren auch geschlossen, weil die Kolleginnen an anderen Stellen arbeiteten oder ihre Finanzierung gestoppt wurde. Etliche Schulbibliotheken unterstützten aber die Notbetreuung, die Hausaufgabenhilfe und den Online-Unterricht. Manche Kolleg*innen konnten vor Ort arbeiten, andere wiederum im Home Office. Das war nicht immer leicht und in den wenigsten Fällen arbeitsrechtlich gut geregelt. Viele der Kollegen und Kolleginnen sind über Vereine und auf Honorarbasis angestellt. Immer noch arbeiten viele Ehrenamtliche in den Schulbibliotheken. Hier fehlt der gewerkschaftliche und tarifliche Schutz. Das wird in Krisenzeiten besonders sichtbar.

Auf Abstand und unter Beachtung des Gesundheitsschutzes wurden Buchversorgungen über Bestellungen per Telefon und E-Mail organisiert. Buchempfehlungen als Texte, Bilder oder Filme halfen vielen Eltern und Kindern über die lange Zeit ohne die Schulfreunde. Manche hängten die Bücherpakete zum vereinbarten Termin an den Schulhofzaun, bei anderen gab es Abholkästen im Schulfoyer. Von Online-Bilderbuchkino über Video-Tutorials bis hin zu Chat-Beratungen und digitalen Lesewettbewerben probierten Schulbibliotheken und ihre Communities vieles aus und schafften es, Kontakte und Lesefreude aufrecht zu erhalten.

Vor allem Kinder und Jugendliche, die zu Hause keine gute technische Ausstattung oder nicht genügend Platz und Ruhe zum Lernen haben, sind auf Bibliotheken angewiesen. Einige Bibliotheken haben im Rahmen der Notbetreuung Einzelplätze und Plätze für Lerntandems angeboten. Die Ausleihe von Tablets und Laptops war in den Schulenbibliotheken, die diese Services aufgebaut hatten, sehr gefragt. Auch in den kommenden Wochen und Monaten wird die Hilfe für Einzelne und Kleingruppen in enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Lehrkäften wichtig bleiben.

Seit dem 11. Mai gibt es nach und nach wieder Lerngruppen in Präsenzphasen. Gleichzeitig läuft weiterhin der Online-Unterricht, der sich technisch, methodisch und didaktisch rasant entwickelt. Das Erstellen von elektronischen Semesterapparaten auf den Lernplattformen, die Unterstützung der Lehrkräfte bei Recherche und Beschaffung digitaler Inhalte und bei der Zusammenstellung von Lernmaterial sind neue und herausfordernde Aufgaben für die Schulbibliotheken.

Die gemütliche Lese- oder Plauderstunde mit dem besten Freund oder der besten Freundin auf dem Schulbibliothekssofa bleibt leider noch ein Traum.

Lesekeller in der Adolf-Glasbrenner-Schule