Pressemitteilung der AGSBB vom 28.5.2019: Wie werden Digital Na­tives medienmündig?

Die Schulbibliothek im Medienkonzept kann viel dazu beitragen – und der Digi­talpakt kann dafür eine Starthilfe sein. Wie – das diskutierten in Berlin Aktive aus ver­schiedenen Schulen. Ein Bericht.

Am 23. Mai 2019 trafen sich auf Einladung der AG Schulbibliotheken Berlin Brandenburg e.V. Lehrkräf­te, Er­zieher*innen, Bibliothe­kar*innen, Schulleiter*innen, um über die Rolle der Schulbi­bliotheken in den Medienkonzepten der Schulen zu diskutieren. Das Ideenpapier, das die Schulbiblio­theksexpert*innen der AGSBB dazu ver­öffentlicht haben, gibt auf zentrale Fragen Ant­worten: Welche Rolle spielen Schulbiblio­theken bei der Umsetzung päd­agogischer Ziele? Wie unterstütz­en Schulbibliot­heken die Ent­wicklung ei­ner verän­derten Lehr- und Lernkultur? Wo schlägt das Herz der Schu­le und wozu brau­chen Schul­bibliotheken IT? Wie werden Digi­tal Natives medi­enmündig und wie kann die Schulbi­bliothek dazu beitragen, dass die di­gitalisierte Ge­sellschaft de­mokratisch bleibt?
Die AGSBB betont, dass Schulbibliotheken – übrigens schon immer – Medienzen­tren sind. Die Aufgabe der Schu­le besteht vor allem darin, eine pädagogische Position zu technologi­schen und medialen Innovationen zu beziehen. Schul­bibliotheken kön­nen in diesen Konzepten eine Schlüsselfunktion überneh­men, z.B. als zentraler Raum für Ler­narrangements, wie dem „Flip­ped Classroom“. Hier können Gruppen in der Bibliothek selbstbe­stimmt ler­nen – und werden den­noch bei der Erschließung der Medienwelten nicht al­leine gelassen. Denn in der Schulbiblio­thek werden sie von medienpädago­gisch ausgebildet­en Fachkräften be­gleitet.
Als Herz der Schule sind Schulbibliotheken zentrales „Versorgungsorgan“. Über einen Online-Katalog, in dem auch vom Smartphone aus nach analo­gen und digi­talen Medien recherchiert werden kann, sorgen sie dafür, dass alle Medien der Schule allen jederzeit zu­gänglich sind. Sie sind aber auch Begegnungs-, Kommunika­tions-, und Veranstal­tungsort, ermögli­chen klassen- und sozialraumüber­greifenden Austausch und bilden so das emotionale Zen­trum der Schule, eine unerlässliche Ressource, insbesondere im Ganztag.
Schulbibliotheken verstanden als zentraler Ort, modern eingerichtet, betreut von Fach­personal und mit Zugriff auf In­ternet, aktuelle Software und Technik tragen dazu bei, bei Kindern und Jugendlichen Le­se- und der Informationskompet­enz zu fördern – die Grundvoraussetzun­gen für Medien­mündigkeit auch der Digital Natives. Differenziert­e Lernprozesse, inklusi­ves Lernen, die Entwicklung von Persönlichkeiten, die eine demo­kratische Gesells­chaft gestalten können ist kein automatischer Effekt der technischen Digitalisier­ung. Um auch digital demo­kratisch, differenziert und inklusiv ler­nen zu kön­nen ist ein Medienkonzept, das Schulbibliotheken in den Mittelp­unkt stellt, wichtig.
Um diese Ideen zu diskutieren und die Chancen, ihrer Umsetzung auszulo­ten, waren die Anwesenden gekommen. Doch wieweit die Berliner Schulrealität zum Teil noch von Digita­lisierung entfernt ist, zeigte sich in der anschließenden Dis­kussion, in der deutlich wurde, dass es in Berlin noch heute Schulbibliothe­ken gibt, die nicht ein­mal über einen Internetan­schluss verfügen.
Dennoch fand die Vision, Schulbibliotheken über ein Discovery System zu vernet­zen und so allen Bibliotheken, die Möglichkeit zu geben, die gleiche Software zur Medien­verzeichnung zu nutzen und sich in einem gemeinsa­men Katalog zu prä­sentieren, wie es z.B. Frankfurt tut, große Zustimmung. Gelder dafür sind durch den Digitalpakt vor­handen. Jetzt kommt es darauf an, dass alle Verantwortli­chen, von den Schulleitungen bis zur Politik, sich dafür einsetzen, dass diese Gel­der auch in Schulbibliotheken inves­tiert wer­den. Die Transformation der Biblio­theken ist dann mög­lich.
Dass diese Transformation unter den aktuellen Bedingungen kaum gelin­gen kann, wurde in den Schilderungen der Anwesenden schnell deutlich. Zur Zeit bastelt jede Ber­liner Schulbiblio­thek ihr eigenes Überlebens­konzept, um Tech­nik, Medien und soweit mög­lich, auch Personal aufwendig über diverse Fördergel­der und Drittmittel zu finanzie­ren. Weder Schulver­waltung, Bezirke noch der Bil­dungssenat fördern diese Arbeit, schon gar nicht finanziell– und das, obwohl all das, von dem wir hier sprechen, im Ber­liner Koaliti­onsvertrag zuge­sagt ist.
Die Anwesenden lassen sich davon nicht bremsen. Sie wollen die vorge­stellten Ideen umsetzen und diese in die Medi­enkonzepte ihrer Schulen ein­bringen.
Aber deutlich wird auch, dass sie von der Politik dringend Unterstützung brauchen: Bei der Ausstattung ihrer Bibliotheken mit IT und Medien und bei der Finan­zierung von Per­sonal.
Da von den eingeladenen Politiker*innen niemand anwesend war, hier un­ser Appell: Po­litiker*innen nutzt die Chance von Digitalpakt und Koaliti­onsvertrag – stärkt Schulbiblio­theken!

… „… und gebt damit der Demokratie in einer digitalisierten Gesellschaft eine Chan­ce!
Gebt der nächsten Generation eine Chance, denn “sie wissen sehr viel und vielerlei. Aber sie le­sen nicht mehr in Gänze. Ich fürchte aber, erst das befähigt zum selbststän­digen Denken.“
Wolfgang Schäuble (Berliner Zeitung vom 24.5.2019)

Jana Haase | Ute Heller
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