Kleines Jubiläum

Kinderbibliothek Berlin-Rahnsdorf Januar 1997

Sommerfest der AGSBB e.V. im Juli 2015

Zwanzig Jahre bin ich jetzt mit dem Thema Schulbibliotheken beschäftigt und habe in dieser Zeit viel erlebt. Viele Male sind wir mit Bibliotheken umgezogen, haben größere und schönere Räumlichkeiten bekommen und haben uns für Leseförderung und den Erhalt von Schulbibliotheken eingesetzt. Dies passiert im Team und der enge Zusammenhalt unter den Kolleginnen der Kinderbibliotheken der Stadtbibliothek Köpenick hat geprägt. Die zumeist kleineren Einrichtungen mit einer 1/1-Besetzung und der Personalnotstand in den Einrichtungen führte damals dazu, dass man viel in anderen Einrichtungen vertreten musste, wenn Mitarbeiter erkrankt und im Urlaub waren. Große Hilfsbereitschaft führte zum Ausprobieren vieler Ideen, die im Facharbeitskreis weitergegeben wurden.

Und dann kam der VÖBB (Verbund der Öffentlichen Bibliotheken Berlins) und die Zusammenlegung der Berliner Bezirke in 12 neue… Treptow-Köpenick wurde zusammengelegt, so auch die beiden Stadtbibliotheken „vereinigt“. Völlig neue Arbeitsbedingungen entstanden. Die Vernetzung war ein Erfolg, auch wenn die 4 Schulbibliotheken bei der Stadtbibliothek nicht an den VÖBB gingen und im Bezirk auf der Strecke blieben. 2008 wechselte ich von der Stadtbibliothek Treptow-Köpenick ins Schulamt. Personal in der Stadtbibliothek wurde eingespart und nur so war eine Förderung und Begleitung der damals 22 Schulbibliotheken möglich. Wir kämpften um den Erhalt der Einrichtungen und am Ende entstand ein Netzwerk von Schulbibliotheken, die vom Schulamt unterstützt werden. Ab Februar 2005 gingen die letzten zwei Schulbibliotheken in Trägerschaft der Uhlenhorst-Grundschule und der Schule an den Püttbergen über. Die Schulbibliothekarische Arbeit wurde vor 12 Jahren am 1. Februar in der Stadtbibliothek eingerichtet und ich wurde die Koordinierende Bibliothekarin. Mein Arbeitsplatz wurde die Johannes-Bobrowski-Bibliothek in Friedrichshagen, wo ich heute wieder nach 8 Jahren Abwesenheit meinen Arbeitsplatz im Leseclub der Friedrichshagener Grundschule habe.

Als Koordinatorin für die SBA Treptow-Köpenick bin ich viel gereist und habe in Deutschland, Dänemark, Schweden und Polen über den Tellerrand geschaut. Mit den Kolleginnen im Frühjahr 2009 nach Aarhus/Dänemark und im Herbst 2010 zu Markus Fritz nach Südtirol, das waren die schönsten Momente, um zu einer Vision zu kommen! 2010 wurde am 17. April die Arbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken Berlin-Brandenburg gegründet. Auf einmal gab es viel Unterstützung auch in der Region. Sabine Wolf und Günter Schlamp organisierten die ersten beiden Schulbibliothekstage, zu dem mich KollegInnen der Schulbibliotheken aus Treptow-Köpenick schon begleiteten.

2014 im Juni richteten wir an der Grünauer Gemeinschaftsschule den 5. Berlin-Brandenburger Schulbibliothekstag aus. Als Abschiedsgeschenk für den eh. Schulamtsleiter Dieter Usemann, ohne dessen Engagement die Entwicklung in Treptow-Köpenick nicht möglich gewesen wäre. Auch die Schulbibliothekswettbewerbe 2013 und 2015 habe ich mit einem AGSBB-Team organisiert. Sehr stolz waren wir, als 2013 beim Wettbewerb „Berliner Schulbibliothek des Jahres 2013“ das Archenhold-Gymnasium zu den Preisträgern gehörte. Monika Grosche hat hier Geschichte geschrieben und kann noch immer nicht finanziert werden, obwohl sie viel Akzeptanz und Anerkennung im Schulkollegium und bei den Schülern erfährt.

Am 10. Dezember 2013 wurde aus der AGSBB auf der Gründungsversammlung ein eingetragener Verein und zusammen mit Sabine Wolf ich auch die Stellvertretende Vorsitzende. Was der Vorstand unter Victor Wolter in der ersten Zeit an Lobbyarbeit geleistet hat, war auch faszinierend und passend zu unserer Vision. Ich danke an dieser Stelle allen für die vielen gemeinsamen inspirierenden und erfolgreichen Vorstandssitzungen.

2014/15 nahm ich an der Fortbildung Bibliotheksmanagement an der FU Berlin teil, die in Zusammenarbeit mit der FH Potsdam und der Humboldt-Uni organisiert wurde. Dieser Blick über den Tellerrand und die Anerkennung der Kollegen öffnete mir den Blick dafür, mich auf Bundesebene zu engagieren. Seit Herbst 2015 bin ich Mitglied der dbv-Kommission Bibliothek und Schule und habe so direkte Verbindung zur SBA Frankfurt/Main, zur Büchereizentrale Schleswig-Holstein, zur SBA Oberhausen und nach NRW zu Julia Rittel, die ich schon lange aus Erzählungen von Günter Schlamp kannte.

Die nächste Studienreise im März geht mit der Kommission ins deutschsprachige Belgien, wo ebenfalls Schulbibliotheksgeschichte geschrieben wurde.

Am Herzen liegt mir die Frankfurter Erklärung. Das Personalproblem in den Schulbibliotheken bleibt noch immer ungelöst und es ist traurig, wenn selbst Privatschulen jahrelang ihre Schulbibliothekarin nicht finanzieren. Von der letzten Reise nach Bonn ist hängen geblieben, dass das Aloisiuskolleg eine halbe Stelle der Bibliothekarin genehmigt hat, die für die Öffnungszeiten der Bibliothek die Hilfe von 30 ehrenamtlichen Eltern koordiniert. So schön die Unterstützung der Ehrenamtlichen ist,  so kann es nicht die Lösung sein.

Ich wünsche mir eine Finanzierung meiner Quereinsteiger, die seit vielen Jahren (8-12 Jahren!) die Schulbibliotheken aufgebaut haben und dringend eine Lösung brauchen. Die KollegInnen stehen kurz vor der Rente und wollen unbedingt, dass Ihre wertvolle Arbeit in den Schulen fortgeführt werden kann.

Die neue Stadträtin für Weiterbildung, Schule, Kultur und Sport in Treptow-Köpenick ist Cornelia Flader, die als Schulleiterin schon an der Heinrich-Seidel-Grundschule in Berlin-Mitte das Lese- und Literaturzentrum nutzen konnte und die AGSBB und meine Arbeit in Treptow-Köpenick viele Jahre unterstützt hat. Die 12. AGSBB-Veranstaltung fand damals an der Heinrich-Seidel-Grundschule statt. Die Hoffnung ist geblieben, gute Schulbibliotheken als Medienkompetenzzentren in den Schulen aufbauen zu können.

Der Film vom 5. Schulbibliothekstag ist ein Zeitdokument, das uns aufruft, „nicht zu vergessen“.