Kann eine Erzieherin Schulbibliothekarin sein?

Elke Lydike und Nicole Saffie aus Chile bei der Besichtigung der Schulbibliothek, Februar 2015

Könnten SchulbibliothekarInnen über eine Erzieherausbildung in der Schulbibliothek arbeiten? Welche Vorteile hat das für die Arbeit? Elke Lydike von der Freien Montessori Schule Köpenick ist diesen Schritt gegangen und hat mit einer halben Stelle an ihrer Privatschule die 3-jährige Erzieherausbildung bei der Fachschule von tjfbg absolviert und berichtet von ihren heutigen Erfahrungen im Schulalltag. Herzlichen Dank für den schönen Bericht.

Brauchen SchulbibliothekarInnen in der Schulbibliothek eine pädagogischer Ausbildung?

Auf diese Frage möchte Simone Frübing, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft  Schulbibliotheken Berlin/ Brandenburg e.V., von mir seit ein paar Jahren eine Antwort.
Warum von mir? Ich arbeite seit ca. acht Jahren in der Schulbibliothek der Freien Montessori Schule Berlin und habe 2015 die berufsbegleitende Ausbildung zur Erzieherin abgeschlossen.

Als Schulbibliothekarin arbeite ich mit Kindern im Altern von 3 bis 16 Jahren.  Ich bin dafür verantwortlich, dass die Bibliothek  ein kulturelles Zentrum der Schule ist, wie G. Schlamp in seinem Buch „Die Schulbibliothek im Zentrum“ fordert. Hier finden die Kinder Ruhe und eine vorbereitete Umgebung, um mit Büchern vertraut zu werden und um literarische Erfahrungen abseits der Klassenlektüre zu sammeln. Hier findet ästhetische Bildung statt,  hier verfügen die Kinder über einen Fundus an verschiedener Lektüre, die kaum eine elterliche Bibliothek zu bieten hat. Hier haben die Kinder die Möglichkeit zu recherchieren, an Vorträgen zu arbeiten, gemeinsam in Gruppen  Referate vorzubereiten.
Schon die Kinderhauskinder kommen in kleinen Gruppen einmal in der Woche zu mir in die Bibliothek. Nach einer kurzen Gesprächs- und Begrüßungsrunde erkunden wir gemeinsam im dialogischen Lesen ein Bilderbuch, hinterher kann gebastelt und gemalt werden. So findet ästhetische Bildung, Sprachbildung und literarische Bildung statt.
In der Arbeit mit Grundschulklassen steht neben Lese- und Literaturkreisen die Projektarbeit im Vordergrund. Aktuell leite ich ein Austauschprojekt mit einer Schule in Turku/Finnland. Hier geht es nicht nur um finnische Kinderliteratur, sondern auch um einen kulturellen Austausch der Schüler*innen untereinander per Post, Email und Film. Gemeinsame Sprache des Projektes ist Englisch. So findet fächerübergreifendes Lernen in Zusammenarbeit mit Fach- und Klassenpädagogen statt.
In der Oberschule liegt der Fokus auf Literaturvermittlung und gemeinsamen Literaturerfahrungen der Schüler*innen im Rahmen von Literaturkreisen.
Ebenso biete ich eine individuell Leseförderung für einzelne Schüler an.
Als Schulbibliothekarin organisiere ich Lesungen in der Schule und führe gemeinsam mit anderen Pädagogen  Schreibwerkstätten und Poetry-Slam-Workshops durch.
Unsere Bibliothek ist ein ganz lebendiger Ort. Schüler*innen beteiligen sich bei der Auswahl der Neuanschaffungen von Literatur für ihre Bibliothek. Sie leisten Praktikas in ihrer Schulbibliothek.

Ja,  wer in einer Schulbibliothek arbeitet, braucht neben dem bibliothekarischen Grundwissen und dem Wissen über Kinder-und Jugendliteratur eine pädagogische Ausbildung. Denn nur durch die pädagogische Ausbildung wird der/die Schulbibliothekar*in all diesen Aufgaben gerecht.
Die Ausbildung zum/zur staatlich anerkannten Erzieher*in ist eine sehr umfassende Ausbildung und deckt sehr viele Bereiche in der alltäglichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ab. Mir fällt es schwer zu benennen, welche Ausbildungsinhalte besonders relevant für die Arbeit in der Schulbibliothek sind. Eigentlich alle! Ob nun die Bindungstheorien von Bowlby und Ainsworth, das Wissen über die kindliche Entwicklung, die sprachliche Entwicklung, ästhetische Bildung, Projektarbeit, die Gestaltung von Elternarbeit, der Kinder-und Jugendschutz- all das brauche ich in meiner täglichen Arbeit. Ich kann gruppendynamische Prozesse erkennen und diese gestalten. Ich habe gelernt, Kinder zu beobachten und aufgrund dieser Beobachtungen pädagogische Angebote zu konzipieren und durchzuführen. Ich kann die Kompetenzen von Kindern erkennen und fördern. All dies gelingt mir in enger Zusammenarbeit mit den anderen Pädagogen der Schule.
Die Anforderungen an die Arbeit einer Schulbibliothekarin sind sehr vielseitig. Alle relevanten Ausbildungsinhalte im bibliothekarischen, literarischen und pädagogischen Bereich sollten Inhalt einer Ausbildung zum/zur Schulbibliothekar*in in Deutschland werden.

Elke Lydike, Schulbibliothekarin der Freien-Montessori-Schule Köpenick