Zusammenhänge, Meinungen, neue Perspektiven

Unter diesem Motto sendet das rbb inforadio Podiumsdiskussionen zu brennenden Themen. Am 14. September 2016 wurde eine Diskussion zum Thema „Hier ist die Stadt! Bibliothek als Motor der Gesellschaft.“ im Salon der Amerika Gedenkbibliothek aufgezeichnet.

zlbVolker Heller von der Zentral- und Landesbibliothek Berlin und Knud Schulz von Dokk 1 in Aarhus hielten Vorträge. Beide zeigten, wie Bibliotheken Zugang zu Wissen und Raum für Austausch und Wissenserwerb bieten. Wissen wächst durch teilen. Darum haben sich Bibliotheken heute von einem Ort für Bücher zu einem Ort für Menschen entwickelt. Aarhus hat seine Bibliothek in den letzten 10 Jahren von einem Bücherlager zu einem Stadtraum transformiert, an dem Menschen sich treffen, lesen, arbeiten, sich austauschen, am Leben und am Wissenstransfer der Kommune partizipieren. Die dänische Kommune hat etwa so viele Einwohner wie 1 Berliner Bezirk. Mit dem Dokk 1 hat sie nun eine neue Zentralbibliothek sowie 18 Filialen und weitere Schulbibliotheken. Am Entwicklungsprozess dieses Bibliotheksnetzes waren viele Bürger und Bürgerinnen, Bibliotheksbeschäftigte verschiedener Professionen und Beratende beteiligt. So konnten z.B. Kinder ihre Wunschideen von einer zukünftigen Bibliothek malen und Modelle basteln. Entstanden ist ein Raum mit vielen verschiedenen Zonen, der im Kern Buchbestände enthält, um die herum sich unterschiedlich gestaltete, großzügige und flexible Bereiche – etwa so wie in unserem FEZ Wuhlheide – gruppieren. Die Menschen können sich je nach Bedarf und Stimmung in der jeweils passenden Zone aufhalten und sehr vielen verschiedenen Beschäftigungen nachgehen. Manche Gestaltungsideen sind in der Praxis nicht aufgegangen und werden neu gedacht und verändert. Die Veränderungen sind Teil des Entwicklungsprozesses. So wurde eine Beratungstheke auf Rädern eingeführt, mit der eine Bibliothekarin immer dorthin rollt, wo Rat gebraucht wird oder es wurden Ruheinseln zum stillen Lesen und Ausruhen geschaffen.

An diese spannenden Einblicke schloss sich die Podiumsdiskussion mit Olaf Zimmermann (Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats), Hortensia Völckers (Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes), Barbara Lison (Vorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes) und Markus Beckedahl (Chefredakteur von netzpolitik.org) über den „rasenden Stillstand“ in und die Bedeutung der Bibliotheken für Berlin an. Bibliotheken wurden als die meist besuchten, meist gefragten und am meisten innovativen Kultureinrichtungen in Deutschland gesehen. Frau Völckers beschrieb eine Stadt als eine Stadt, wenn sie eine Bibliothek habe. Herr Beckedahl habe seine Schulzeit in der Schulbibliothek verbracht und betonte, dass Bibliotheken Medienkompetez vermitteln. Olaf Zimmermann erzählte, wie Bibliotheken sein Leben verändert haben und wunderte sich, dass die kleine Stadt Aarhus eine moderne Bibliothek gebaut hat und Berlin ein altes Schloß wieder aufbaut. Frau Lison konstatierte, dass es in Bibliotheken Berufe für Menschen gibt, die mit Menschen arbeiten wollen. Aber hören Sie selbst – am 25. September um 13:05 und um 20:05 Uhr auf rbb inforadio und anschließend 1 Jahr in der Mediathek von rbb.