10 Jahre SBA Treptow-Köpenick – ein Rückblick

Simone_FruebingVor genau 10 Jahren am 1. Februar 2005 wurde die Stelle der Schulbibliothekarischen Arbeit in Treptow-Köpenick mit 17 Wochenstunden eingerichtet. Bibliothekarin Simone Frübing wurde als Koordinatorin eingesetzt, um fachliche Beratung beim Aufbau und der Betreuung von Schulbibliotheken zu geben. Hintergrund war eine neue Bibliotheksentwicklungsplanung, die im Bezirk den Bau von zwei Mittelpunktbibliotheken in Köpenick (Eröffnung 2008) und Treptow planten und damit mehrere Stadtteilbibliotheken fusionieren lassen sollte. Im April 2015 soll die MPB Treptow eröffnet werden.

Die SBA-Stelle wurde im Schul- und Bibliotheksamt geschaffen, das 2005 unter Dieter Usemann geleitet wurde. Eva Mendl als Stadträtin für Kultur und Bildung und Frau Paris von der Schulaufsicht, Außenstelle Treptow-Köpenick unterschrieben eine erste Kooperationsvereinbarung im September 2006. Das war die eigentliche Grundlage, die die damalige Leiterin der Stadtbibliothek Karin Schuldt zusammen mit Herrn Usemann als Erfolgsrezept auf den Weg gebracht haben.

Im Herbst 2006 wurden nach den Wahlen die Ämter getrennt und neuen Stadträten unterstellt, aber auch die Stadträte für Jugend und Schule und Kultur und Bildung, Herr Retzlaff  und Herr Simdorn, unterschrieben die Folgevereinbarung zusammen mit der Schulaufsicht des Bezirkes. Dies war die Grundlage, um überhaupt schulbibliothekarische Arbeit in Treptow-Köpenick aufbauen und „überleben lassen“ zu können, trotz aller Sparmaßnahmen, die folgten.

Durch massive Sparmaßnahmen im Bereich der Stadtbibliothek setzten sich Herr Retzlaff und Herr Usemann dafür ein, dass die SBA Treptow-Köpenick als Stelle vom FB Bibliotheken zum 1. Mai 2008 ins Schulamt wechselte. Sie erhöhten die Stundenzahl der Mitarbeiterin auf 32 Wochenstunden und kämpften um eine unbefristete Erhöhung, die Frühjahr 2011 endlich gelang. Eine entsprechende Vereinbarung zum Wechsel wurde 2008 von den Amtsleitern und den Stadträten unterschrieben und sicherte über das Schulamt die fachliche Koordination schulbibliothekarischer Arbeit als politischen Auftrag für den Bezirk.

2008 gab es 22 Schulbibliotheken im Bezirk Treptow-Köpenick, 45 Stellen gab es über MAE, BEZ und wie die Förderungen im Öffentlichen Beschäftigungsbereich alle hießen. Sie schenkten uns die politische Unterstützung und engagierte Mitarbeiter, die auf einmal fast 40 Wochenstunden den Schulen in der Schulbibliothek zur Verfügung standen, Schulbibliotheken zusammen mit den Schulen neu aufbauten und Leseförderung in einer neuen Form begleiten konnten. Katrin Kloppe, Cornelia Kloß, Gabriele Neumann, Dirk Mertin, Marina Steiner, Bianca Plieht-Petschel, Sylvia Ginter und Helga Schnute waren die ersten  Mitarbeiter, die sich für den Schulbibliotheksverbund einsetzten und neue Mitarbeiter anlernten. Viele weitere folgten im SBA-Team!

Frau Stephan an der Ahorn-Schule, einer Förderschule in Treptow-Köpenick, war die erste und bisher einzige Mitarbeiterin, die von Sommer 2008-Dezember 2013 über Pro-AB eine Förderung ihrer Stelle übers Jobcenter bis zum Renteneintritt erhielt. Diese Finanzierung der Stellen brauchen wir wieder! Ihre BEZ-Stelle war 2010 aus Altersgründen verlängert wurden.

DSC00508DSC00514Mittlerweile haben wir auch Sylvia Ginter in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Sie arbeitete von 2007-Dezember 2014 in der Schulbibliothek der Schule in der Köllnischen Vorstadt und wurde mit einem großen Dankeschön der Erzieher, Lehrer und Schülerinnen für ihre engagierte und liebevolle Leseförderung verabschiedet. Frau Ludwig setzt ihre Arbeit fort und wir konnten die Bibliothek in gute Hände übergeben.

Das gelingt nicht immer.

Begleitet haben uns viele Mitarbeiter. Da wo unsere Lebensfreude und unser Engagement für Schulbibliotheken ansteckte, wollten die Mitarbeiter bleiben und es wurden gemeinsam mit den Schulen Mittel und Wege gefunden, dass die Personen bis zur nächsten Stelle weiterfinanziert werden konnten. Der Kampf mit befristeten Stellen hat uns begleitet. Hier muss endlich eine Lösung gefunden werden.

DSC00157Engagierte ältere Mitarbeiter wie Monika Grosche oder Gabriele Neumann müssen für ihre Arbeit bezahlt und von ihren finanziellen Sorgen durch immer wieder kurzzeitig befristete Verträge von 6 Monaten befreit werden und feste Stellen bis zum Renteneintritt erhalten. Es hat mich sehr bewegt, wie eine ganze Schule, Lehrkräfte und Förderverein des Archenhold-Gymnasiums sich für ihre Schulbibliothekarin Monika Grosche einsetzen und eine Schule bereits seit zwei Jahren eine Stelle mitfinanziert. Den Brief der Schüler lesen Sie hier !

Was wünsche ich mir heute zum kleinen Jubiläum? Das Personalproblem in Schulbibliotheken muss gelöst werden. Wir brauchen feste Stellen und pädagogische Arbeit in den Schulbibliotheken, die auch finanziert wird. Ich schätze jede Unterstützung und ehrenamtliches Engagement, aber in Ganztagsschulen müssen wir in Zukunft pädagogisch und bibliothekstechnisch geschultes Personal haben, das bei Kindern nicht ständig wechseln darf.

Unser gesammeltes Wissen und unsere Erfahrungen dürfen nicht verloren gehen, deshalb brauchen wir eine Chance für Quereinsteiger und zukünftige Ausbildung von Fachpersonal für Schulbibliotheken. Unsere Mitarbeiter arbeiten zum Teil über 5 Jahre in Schulbibliotheken und leisten gute Arbeit. Nutzen wir diese Ressourcen besser und bieten wir gemeinsam z.B. über die AGSBB e.V.  Fortbildungen an, wir denken die Schulbibliothek doch längst als pädagogische Aufgabe innerhalb der Schule. Aber auch Referenten müssen bezahlt werden!

Ich danke an dieser Stelle allen, die den Aufbau der schulbibliothekarischen Arbeit in den Jahren 2005-2015 unterstützt haben und weiter unterstützen. Die Ausrichtung des 5. Berlin-Brandenburger Schulbibliothekstages im Bezirk an der Grünauer Schule war ein besonderer Höhepunkt und ein Dankeschön von uns. Es bleibt noch viel für die Anerkennung und Wertschätzung von Arbeit in Schulbibliotheken auch innerhalb der Schulen zu tun. Dies geht nur mit hohen eigenen Qualitätsansprüchen, die wir in der Leseförderung und in der Vermittlung von Medien-und Informationskompetenz erfüllen wollen/können. Ich wünsche mir ein berlinweit gefördertes Programm wie BiblioMobil der Stadtbibliothek Mitte, wo Bibliotheksspezialisten mit vorbereiteten Programmen  in den Unterricht in die Schulbibliotheken und Schulen kommen und Konzepte und Erfahrungen in der Medienarbeit weitergeben.

Die Schulen sind die Träger von Schulbibliotheken und bestimmen den Arbeitsauftrag selbst. Eine SBA kann nur fachlich begleiten, so unser Ansatz. Ein Schulbibliotheksverbund hilft weiter, die Hilfe zu erhalten, die dringend benötigt wird. Hier gibt man auch gern Hilfe zurück. Gemeinsam sind wir stärker, deshalb engagieren wir uns auch gern in der AGSBB e.V.

Die BVV Treptow-Köpenick hat den Bibliotheksentwicklungsplan 2014-2017 am 18. Dezember 2014 verabschiedet. Hier heißt es u.a. in der Begründung:“ Darüber hinaus wird die schulbibliothekarische Arbeit, insbesondere die Leseförderung in Schulen, deutlich gestärkt werden.“ Es gibt einen bildungspolitischen Auftrag zu erfüllen, denn Treptow-Köpenick hat mittlerweile 45 Schulbibliotheken im Aufbau. Das Schulamt und der FB Bibliotheken arbeiten wieder enger zusammen, auch unter dem Stadtrat Michael Vogel, der sein Amt am 1. Juni 2014 nach dem Schulbibliothekstag in Grünau angetreten hat.

Herr Usemann hat sich am 30. Juni 2014 verabschiedet, aber wir haben gemeinsam schon sehr viel für Schulbibliotheken erreicht und schauen weiter nach vorn. Frau Frübing absolviert seit September 2014 noch einmal eine Weiterbildung „Bibliotheksmanagement“ an der FU Berlin und ist dankbar für die tolle Fortbildung und den Kontakt zu interessanten Referenten und Teilnehmern. Der Erfahrungsaustausch mit Kollegen hat uns auf allen Reisen und Besuchen bei uns stark geprägt und Selbstvertrauen gegeben, auch neue Wege zu gehen.

Wir freuen uns auf weitere große Aufgaben. Dazu brauchen wir aber ein gutes Team und unser erfahrenes und gut ausgebildetes Personal, das weiter finanziert werden muss und dafür Erfahrungen auch an Neueinsteiger weitergibt.

Simone Frübing, Koodinatorin für Schulbibliothekarische Arbeit, SBA Treptow-Köpenick