Brandenburger Parteien zu Wahlprüfsteinen

Vor den Ferien hatte die AGSBB Brandenburger Parteien angeschrieben und gefragt, wie sie zum Thema Schulbibliotheken stehen. Konkret haben wir dabei nach der finanziellen und personellen Ausstattung gefragt, aber auch um eine Stellungnahme zur Sprach-, Lese- und Informationskompetenz gebeten. Nachfolgend eine Zusammenfassung der z.T. sehr ausführlichen Antworten der Parteien, die vollständigen Antworten können den PDFs entnommen werden.

Die CDU

Kurz und knapp zusammengefasst kam die Stellungnahme zu den bildungspolitischen Zielen im Bereich Sprache der CDU zurück. Michael Schierack wies auf die Wichtigkeit des „wertvollen Zugangs zu Comics, Zeitschriften und Büchern“ hin. Sprache ist für ihn „die grundlegende Voraussetzung, um erfolgreich am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“. Schulbibliotheken konkret kommen für ihn in Zusammenhang mit Fahr- und Gemeindebibliotheken vor: hier obliegt es seiner Meinung nach jeder Kommune selbst,  eine Entscheidung über eine entsprechende Einrichtung zu treffen. Den kompletten Wortlaut der Antwort finden Sie hier:  CDU_Wahlprüfsteine.

 

Bündnis 90/ Die Grünen

Die Bündnisgrünen wollen „ein Bildungssystem, das den Wissensdurst erhält und die Menschen in all ihrer Unterschiedlichkeit optimal fördert“. In Kommunen sollte dementsprechend ein Mindestangebot von Kulturangeboten vorhanden sein. Bibliotheken gehören, neben Musikschulen und Volkshochschulen dazu. Schulbibliotheken sind für sie „Bausteine“ für die Lese-, Sprach- und Informationskompetenz und Bestandteil ihrer bildungspolitischen Konzepte. Interessant ist der Verweis auf die Medienbildung. Hier findet sich in den Antworten auf unsere Fragen die Aussage, dass dieses Thema in die Lehrpläne Einzug halten sollte. Neben der SPD sind die Bündnisgrünen die zweite Partei, die beim Thema Medien einen Bezug zum Unterricht hergestellt hat. Schulbibliotheken werden hier ebenfalls als kommunale Aufgabe gesehen, die allerdings als freiwillige Selbstaufgabe oft dem Rotstift zum Opfer fallen. Den kompletten Wortlaut der Antwort finden Sie hier: Grüne_Wahlprüfsteine

 

Die FDP

Der Landesverband wies in seiner übersichtlichen Stellungnahme darauf hin, dass „das Thema Bildung das Kernthema in der vergangenen Legislaturperiode gewesen [sei]“. Schulbibliotheken kommen im Wahlprogramm nicht explizit vor, sind jedoch nach Meinung der FDP ein  „integraler Bestandteil einer guten Schule“. Hinsichtlich der materiellen Ausstattung der SB sollte eine Zusammenarbeit von Land und Kommune angestrebt werden. Auch das qualifizierte Personal wird als wichtig angesehen. An dieser Stelle verwies der Landesverband auf das Land Brandenburg. Dies sollte, im Rahmen seiner finanzieller Möglichkeiten entsprechend unterstützend tätig werden. Den kompletten Wortlaut der Antworten finden Sie hier: FDP_Wahlprüfsteine.

 

DIE LINKE

Für die Linke handelt es sich bei Schulbibliotheken um eine Detailfrage, die der Rubrik „Erhöhung der Qualität des Unterrichts und Kompetenzentwicklung“ zuzuordnen ist.  Auch hier, wie bei der SPD und den Bündnisgrünen, der Bezug zum Unterricht. DIE LINKE hat sich dafür eingesetzt, dass die Sprachförderung in der KITA weiterentwickelt und mit einem Betrag von zusätzlich 2,9 Mio € gefördert wird.  Sprachkenntnisse bilden für sie die Basis, auf der dann in der Schule die Lese-, Sprach- und Informationskompetenz entwickelt werden.  Auch hier wird die bildungspolitische Bedeutung von Schulbibliotheken anerkannt und DIE LINKE hält „es für wünschenswert, wenn jede Schule über eine Schulbibliothek verfügt“ – gerade auch im Hinblick auf den ländlichen Raum.  Als einzige Partei hat DIE LINKE ihre Antwort zu unserer ersten Frage weiter gefasst und hat die „Informationsgesellschaft“ in ihre Stellungnahme mit einfließen lassen. Ähnlich wie die anderen Parteien auch, sehen sie ganz klar den Schulträger in der Verantwortung wenn es um die personelle und materielle Ausstattung geht. Den kompletten Wortlaut der Antwort finden Sie hier: LINKE_Wahlprüfsteine

 

Die Piraten

Die Piraten schlagen ein virtuelles Bildungsguthaben vor, das sämtliche anfallende Kosten wie z.B. für das Personal, Ausstattung, Essen etc., anteilig enthält. Die jeweilige Kita oder Schule soll dann eigenverantwortlich über das Bildungsguthaben verfügen können. Die Schulbibliothek gehört zur Ausstattung und soll dann ebenfalls darüber finanziert werden. Zwar leisten auch für die Piraten „Schulbibliotheken [leisten] einen wertvollen Beitrag zur Ausprägung von Sprach- und Medienkompetenz“ aber „sie können einen Unterricht […] nicht ersetzen“. Ergänzt wird die Antwort auf die erste Frage auf den Hinweis zum Thema Kommunikation und Medienerziehung. Dieses Thema soll Eingang ab der ersten Klasse in die Brandenburger Schulen finden. Die finanzielle Eigenverantwortlichkeit der Schulen wird auch in Frage 2 und 3 hervorgehoben. Weniger erfolgt unter Punkt 2 der Hinweis auf das eigene bildungspolitische Konzept hinsichtlich Schulbibliotheken, als vielmehr die Frage was den Brandenburgern selbst die Bildung wert ist und ob sie selbst bereit sind, die Schulbibliothek an dem virtuellen Bildungsguthaben teilhaben zu lassen. Was die Ausstattung der SB angeht, sind die Piraten der Meinung, dass dies „an jedem Standort spezifisch gelöst werden [muss]“ denn […] „eine Schulbibliothek kann nicht sinnvoll von außen übergestülpt werden […].“ Den kompletten Wortlaut der Antwort finden Sie hier: Piraten_Wahlprüfsteine

 

Die SPD

Von Klaus Ness (MdL) von der SPD kamen die ausführlichsten Antworten auf unsere Fragen. Bei der Sprachförderung verweist er u.a.  auf das seit 2006 laufende Landesprogramm und auf das im Jahr 2011 weiterentwickelte Sprachförder-Konzept. Außerdem wurde die Leseförderung intensiviert: In den 3. und 8. Klassen wurde die „verbindliche Lektüre eines Kinder- und Jugendbuches“ eingeführt und  der Grundwortschatz für die 1. – 4. Klassen definiert. Zudem existiert seit 2002 eine Kooperation mit dem Deutschen Bibliotheksverband e.V., Landesverband Brandenburg. Auch nach Meinung der SPD sollten Schulbibliotheken zur Grundausstattung einer jeden Schule gehören. Klaus Ness verweist auf  §4, Absatz 5 des Brandenburgischen Schulgesetzes, in dem die Medienkompetenzförderung erwähnt wird. Für ihn ist „die Einrichtung von Schulbibliotheken mit möglichst vielen verschiedenen Medienangeboten ein wichtiger Baustein der […] ganzheitlichen Medienbildung“. Eigene Landesprogramme zur Unterstützung von Schulbibliotheken sind von der SPD nicht geplant. An dieser Stelle kommt auch der Hinweis, dass durch die Ansiedelung von Öffentlichen Bibliotheken an Schulen Synergieeffekte entstehen können. Den kompletten Wortlaut der Antwort finden Sie hier: SPD_Wahlprüfsteine

 

Fazit

Abschließend ist zu sagen, dass Schulbibliotheken für die meisten Parteien eine bildungspolitsche Bedeutung besitzen, sie aber auf die Verantwortung der Schulträger verweisen, wenn es um Aussagen zur Ausstattung geht. Selten wird die Schulbibliothek als konkreter Unterrichtsort angesehen, an dem neben traditionellen Medien wie Büchern und Zeitschriften auch PCs und Internetzugänge vorhanden sind. Der überwiegende Teil verweist gerne auf die Wichtigkeit und das Vorhandensein von Programmen zur Sprach- und Leseförderung, selten kommt allerdings in den Stellungnahmen die Informationskompetenz vor. Diese ist jedoch für unsere Informationsgesellschaft  die Schlüsselkompetenz damit Wissen „entsteht „und sollte daher selbstverständlicher Bestandteil von bildungspolitischen Zielen sein.  Aber vielleicht ist hier das romantische Bild der Bibliothek, bestehend aus Buch und Bibliothekarin, einfach zu allgegenwärtig?