Neue Wege in Treptow-Köpenick

Auf dem 5. Berlin-Brandenburger Schulbibliothekstag am 24. Mai 2014 an der Grünauer Schule gab es nachmittags einen Workshop aus Treptow-Köpenick, wo es um Personalfinanzierungen und neue Modelle in und für Schulbibliotheken ging. Aufbauen konnten wir auf die Workshops von Günter Schlamp (Autor „Die Schulbibliothek im Zentrum“) und Birgit Thomsmeier von der Stadtbibliothek-Berlin-Mitte, die ihre Visionen und ihre Arbeit für Schulen mit dem BiblioMobil vorstellten und einen hervorragenden Einstieg in die Diskussion boten, was Schulbibliotheken, Öffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken leisten können.

Lehrer, Eltern, Bibliotheksmitarbeiter, ehemalige Schulleiter, Schulsozialarbeiter, Bibliothekare, Autor Boris Pfeiffer und Kommunalpolitiker aus Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf diskutierten gemeinsam in meinem Workshop über Lösungswege, wie gute Schulbibliotheken der Zukunft in der Gegenwart aussehen könnten und wie die pädagogische Aufgabe einer Schulbibliothek auch Bibliotheken insgesamt stärken könnten. Es geht um Bildungspolitik in Deutschland, die verändert werden muss und wo Bibliotheken und Schulbibliotheken als Pflichtaufgabe ihre Ressourcen so gut nutzen, dass sie „selbstverständlich gut ausgestattet werden“ und dies Medien und Personal betrifft. Wir wollen ein Bibliotheksgesetz, was Verbindlichkeiten benennt. Auch eine SBA Berlin könnte uns helfen, das Rad nicht immer wieder neu zu erfinden.

Hintergrund sind neue Wege von Treptow-Köpenick, die politisch gewollt sind. In Treptow-Köpenick gibt es nach der aktuellen Zählung (vom Juni 2014) 43 Schulbibliotheken im Verbund an 24 Grundschulen, 3 Integrierten Sekundarschulen (4 Standorte), 6 Gymnasien, 3 Gemeinschaftsschulen, einem OSZ (Träger SenBJW) und 5 Privatschulen. Sie werden von der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle fachlich betreut und sind in einem Schulbibliotheksnetz verbunden. Die SBA Treptow-Köpenick gehört seit 2008 zum Schulamt. Entstanden ist die SBA Treptow-Köpenick im Schul- und Bibliotheksamt im Februar 2005, aufgebaut von Simone Frübing, die als Bibliothekarin der Stadtbibliothek Treptow-Köpenick in die Stadtteilbibliothek Friedrichshagen wechselte. 8 Jahre von 1997-2004 hatte ich die Kinderbibliothek Rahnsdorf als Öffentliche Schulbibliothek in der Grundschule an den Püttbergen geleitet und im Januar 2005 in Trägerschaft der Schule übergeben. 12 Öffnungsstunden gab es als Öffentliche Bibliothek. Die Stadtbibliothek hatte kein Personal mehr und der Standort sollte geschlossen werden. Wir waren mit der Bibliothek nicht am VOEBB, die Schließung konnte nur durch einen Wechsel der Trägerschaft verhindert werden. So beschloss das Bezirksamt Treptow-Köpenick unter der damaligen Stadträtin Eva Mendl (Die Linke.), dem Leiter des Schul- und Bibliotheksamtes Treptow-Köpenick Dieter Usemann und der Leiterin der Stadtbibliothek Karin Schuldt, neue Wege zu gehen. Die Bibliotheksentwicklungsplanung im Jahre 2004 ff. sah vor, dass  insgesamt 8 Bibliotheksstandorte für Treptow-Köpenick und eine Fahrbibliothek erhalten bleiben. Der Bau zweier neuer Mittelpunktbibliotheken für Köpenick und Treptow wurde geplant. Im November 2008 eröffnete die MPB Köpenick am Alten Markt. Im Herbst 2014 soll die neue MPB Treptow am Bahnhof Schöneweide eröffnet werden. Weitere Stadtteilbibliotheken werden in das neue Haus ziehen. Die Bibliotheks- und Schulbibliotheksentwicklungsplanung ab 2015 ff. muss gemeinsam neu so organisiert werden, das allen Kindern und Jugendlichen der Zugang zu Bibliotheken ermöglicht wird.

Herr Usemann sagte 2004: Jede Schule, die keine Stadtteilbibliothek in der Nähe hat, erhält eine Schulbibibliothek.“  Die BVV Treptow-Köpenick beschloss im September 2013, dass trotz großer Sparmaßnahmen keine weitere Stadtteilbibliothek geschlossen werden darf. Bereits unter Stadtrat Simdorn (CDU) suchten wir seit Herbst 2013 nach Ideen der Finanzierung. Der eh. Stadtrat hat sich erinnert, dass beide Ämter, das Schul- und Sportamt, das die Schulbibliotheken mit der  SBA Treptow-Köpenick verwaltet, und das Amt für Bildung, mit dem FB Bibliotheken, noch enger kooperieren können und müssen.  Eine Vereinbarung gibt es seit 2009. Aktuell wird ein Konzept erarbeitet, dass die Trägerschaft der Stadtteilbibliotheken Bohnsdorf und Friedrichshagen an die nächstgelegenen Schulen/Schulamt übergibt und Mischfinanzierungen beim Personal ermöglicht. Wenn die Politik es im Herbst 2014 so beschließt, wird es „Schulbibliotheken mit öffentlicher Nutzung“ und eine zweite Fahrbibliothek geben, um die Angebote des VOEBB zu erhalten. Dass dies gute Lösungen sein können, beweist der Blick nach Südtirol, aber auch nach Bremen und Hamburg und in die Gemeinde Oberkrämer, die wir in den letzten Wochen besucht haben. (Berichte folgen.)

Herr Usemann ist am 30. Juni 2014 nach 28 Dienstjahren als Schulamtsleiter von Treptow-Köpenick in Pension gegangen. Oliver Igel, Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, bedankte sich bei Herrn Usemann auch dafür, dass der persönliche Einsatz für Schulbibliotheken über Bezirksgrenzen hinaus den Bezirk bekannt gemacht hat. Dies wollen wir erhalten und ausbauen. Seit 1. Juni 2014 ist mit Michael Vogel ein neuer CDU-Stadtrat für Weiterbildung, Schule, Kultur und Sport im Amt, der sich für die Bibliotheken/Schulbibliotheken im Bezirk einsetzen möchte. Dies war auch in der „Berliner Woche“ Anfang Juni im Regionalteil von Treptow und Köpenick nachzulesen.