Über die Flüstertreppe zur schönen Bibliothek…

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Frau Schelhas (Foto: Wolter)

Fast genau zwei Jahre ist es her, dass Gabriele Schelhas auf dem 4. Schulbibliothekstag in Hohen Neuendorf im Workshop „Basics für Schulbibliotheken“ von Sabine Wolf zu Gast war. Ein paar Anregungen wollte sie sich holen, mit vielen Ideen ist sie an diesem Tag nach Hause gegangen und das „Handbuch Schulbibliotheken“ gehörte danach zu ihrer Standardlektüre. Ihr Brainstorming machte selbst vor der Kühlschranktür nicht halt und dass sich ihr Engagement gelohnt hat, wurde in der Wilhelm-Busch-Schule deutlich: Derzeit plant sie zusammen mit der Schule die Wiederbelebung der Schulbibliothek. Victor Wolter und Sabine Wolf waren beim Kick-Off-Meeting zugegen.

Dass der Weg nicht immer leicht war und manchmal ein forsches Vorgehen durchaus nötig war, verhehlt sie nicht. Im Herbst 2012 wurde das Schulbibliothekskonzept dem Fachbereich III der Stadt Brandenburg vorgestellt und dort geprüft. Dies besonders unter dem Gesichtspunkt der verstärkten Förderung der Lesekompetenz von Grundschülern. Dass das Konzept unterstützt wird, mag, wie Frau Schelhas uns mitteilte, auch daran liegen, dass sich ein Elternteil eines Schülers an einen Stadtverordneten wandte und es somit  zu einer inoffiziellen Anfrage zur Bibliothek auf der Sitzung des Ausschusses Bildung, Kultur und Sport der SVV kam. Von der zuständigen Fachbereichsleiterin wurde das Projekt wohlwollend zur Kenntnis genommen und schließlich kam im Februar 2014 der offiziellen Bekanntgabe per Förderbescheid.

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(Foto: Wolter)

In diesem Jahr bewilligte die Stadt Mittel in Höhe von 20.000 Euro. Die Freunde der Fouqué-Bibliothek bewarben sich mit Erfolg um weitere Mittel, sodass die Schulbibliothek von der Mittelbrandenburgische Sparkasse weitere 4.000 Euro erhielt. Um eine professionelle Herangehensweise zu gewährleisten, haben sich Gabriele Schelhas und der Schulleiter Dirk Ulrich bereits im Vorfeld fachliche und inhaltliche Unterstützung hinzugeholt. Anfang 2013 erfolgte die Kontaktaufnahme zur Stadtbibliothek vor Ort, der Fouqué-Bibliothek. Sie übernahm die Sichtung des 5000 Medieneinheiten starken Altbestandes und gab Hinweise zur Aussonderung veralteter Medien. Der Bestand, der dann behalten wird, wird im Anschluss mit der Bibliothekssoftware Perpustakaan erfasst. Hier überzeugte der Schulleiter den Stadtkämmerer davon, für die Schulbibliothek ebenfalls die Vollversion der Software anzuschaffen. Somit sind die Bestände der Schulbibliothek, wie die Bestände der Stadtbibliothek, im WebOPAC (Online Public Access Catalogue, der Online-Bibliothekskatalog) recherchierbar. Auch die Systematik der Stadtbibliothek wird übernommen.

Die Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek bietet jedoch nicht nur Vorteile hinsichtlich der Vereinfachung der Arbeitsabläufe. Besuchen die Schüler in den Ferien die Fouqué-Bibliothek, werden sie sich dort leichter zurechtfinden, da ihnen sowohl das Recherchesystem, als auch die Systematik und die Aufstellung vertraut sind. Auch der Übergang von der Schulbibliothek zur Stadtbibliothek nach der 6. Klasse wird hier besser gelingen. Die Schulbibliothek ist somit keine Konkurrenz zur Stadtbibliothek, sondern sorgt mit ihrem Angebot und der Kooperation sogar dafür, dass viele Schüler später wie selbstverständlich auch das Angebot der Stadtbibliothek nutzen werden. Da viele leseferne Familien in dem Schul-Stadtteil wohnen, wird die Schulbibliothek den Kindern dieser Familien Zugang zum sonst eher selten vorhandenem Medium Buch vermitteln. Trotzdem wird jedoch nicht nur auf das Buch gesetzt. Die Wilhelm-Busch-Grundschule ist eine Multimediale Grundschule, Kinder können hier den MAUS-Pass erwerben (Medien An Unserer Schule) und die Eltern werden regelmäßig zu Abenden eingeladen, an denen z.B. über spezielle Themen wie Cybermobbing gesprochen oder Grundlagen der Internetnutzung vermittelt werden. Medienkompetenz und  Internetkompetenz sollen daher selbstverständlich auch in der Schulbibliothek vermittelt werden.

Bei unserem Treffen stand auch das Marketing im Focus. Das mag in Verbindung mit Schulbibliotheken etwas verwundern, für Gabriele Schelhas gehört es aber dazu. 2012 wurden Schüler und Lehrer gefragt, wie sie sich die Bibliothek vorstellen – „Schön, gemütlich und mit Flüstertreppe!“, „Nicht braun und grau!“,  „Mit Wohlfühlatmosphäre!“ war auf den Fragebögen zu lesen. Auch in die Bestandsauswahl werden beide Gruppen kontinuierlich mit einbezogen. Damit in der Bibliothek auch Veranstaltungen der Musikschule, sowie Elternversammlungen und -sprechtage durchgeführt werden können, ist die Anschaffung von verschiebbaren Rollregalen vorgesehen. Diese Öffnung nach außen bietet den Vorteil, dass so zusätzliche Besucher von der Bibliothek erfahren und somit ggfs. auch zu Unterstützern werden. Damit sich die Bibliothek auch über ein Corporate Design einprägt, wurde Madelaine Böhm von der Agentur für Gestaltung engagiert, um ein Logo und das Leitsystem der Bibliothek zu entwerfen.

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(Foto: FlexOffice Gabriele Schelhas, 2012)

Da die Bibliothek nicht nur als gemütlicher, sozialer Raum, sondern auch für den Unterricht genutzt wird, wurde von der Deutschlehrerin Frau Juliane Laskowsky ein pädagogisches Nutzungskonzept entworfen. Dieses sieht den regelmäßigen Besuch ab der ersten Klasse vor und stellt Nutzungsmöglichkeiten für Gruppen-und Partnerarbeit ebenso wie für die Erledigung der Hausaufgaben vor. Da in der Planungsskizze des Architekten von vornherein zwei Räume für die Bibliothek vorgesehen waren, kann dieses Konzept sehr gut realisiert werden: Während es sich im vorderen Raum Schüler mit ihrem Lieblingsbuch gemütlich machen, wird der zweite Raum als Lernort für den Unterricht in der Bibliothek genutzt und hält dementsprechende Sachliteratur vor. Das Konzept schlägt als Öffnungszeiten nicht nur die Vormittage und Pausen vor, sondern auch die Nachmittage.

So ein Konzept benötigt natürlich ein professionelles Personal. Die Schule wird versuchen eigenes Personal im Rahmen der Möglichkeiten einzusetzen, wird dabei aber auch auf Hilfe von außen angewiesen sein Victor Wolter hob an dieser Stelle hervor, dass es wichtig ist, ein Kernteam zu haben, das dann die ehrenamtlich Tätigen und die Schüler anleitet und unterstützt und für Kontinuität sorgt. Sabine Wolf wies darauf hin, Auswahlgespräche durchzuführen und die Bewerber danach zu fragen, wie sie moderne Bibliotheksarbeit definieren. Ein Bewerbungsrasterkann hier zusätzlich Aufschluss über die fachliche Eignung der Bewerber geben.

Die Unterstützung durch die Stadtbibliothek wurde bereits thematisiert und beim Kick-Off-Meeting an diesem Nachmittag konnte die AGSBB nicht nur wertvolle Tipps bei der Personalakquise geben, sondern auch viel von den Erfahrungen einfließen lassen, die wir im Rahmen der Vereinsarbeit bzw. mit der eigenen Bibliothek gemacht haben. Da für Lehrer die Funktion der Schulbibliothek als Unterrichtsort eher im Focus steht, als für Bibliothekare, betonte Victor Wolter an dieser Stelle nochmals dem Beachtung zu schenken. Wenn Schüler die Bibliothek für den Unterricht und die Erledigung der Hausaufgaben nutzen sollen, müssen sie selbstverständlich auch die entsprechende Sachliteratur und Nachschlagewerke dort finden. Durch die Zusammenarbeit mit der AGSBB und der Teilnahme an den Treffen in den unterschiedlichen Schulbibliotheken kann die Wilhelm-Busch-Schule an dieser Stelle sicherlich noch von weiteren pädagogischen Tipps unseres Netzwerkes profitieren.

Der Besuch war für uns sehr motivierend. Durch die Teilnahme an dem von der AGSBB 2012 ausgerichteten Schulbibliothekstag wurde Gabriele Schelhas ermutigt, sich für die Errichtung einer Schulbibliothek an der ehemaligen Schule ihrer Tochter einzusetzen und die an diesem Tag vermittelten Tipps haben sie in ihrem Vorhaben unterstützt. Zwar war bisher eine gehörige Prise Langmut gefragt,  aber wenn es so professionell weitergeht wie bisher, dann kann sich das Ergebnis sehen lassen und wir freuen uns schon jetzt auf eine Bewerbung zur „Schulbibliothek des Jahres“. Für uns ist die Entstehung der Schulbibliothek erneut eine sehr schöne Bestätigung unseres Engagements.

2 Replies to “Über die Flüstertreppe zur schönen Bibliothek…”

  1. Die Wilhelm-Busch-Schule ist jetzt auch Mitglied in der AGSBB und unterstützt/kooperiert natürlich wo sie kann.

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