Vom Hans im Glück, Lernorten und einem Hauch Hollywood

Ankündigung WorkshopAm 5.3.2014 fand im Spreewald, in Lübbenau, ein Workshop zum Thema „Bibliotheken als Lernorte“ statt.  Ausgerichtet wurde er von der Plattform Kulturelle Bildung Brandenburg. Eingeladen waren Interessierte aus den Brandenburger Öffentlichen Bibliotheken, den Schulbibliotheken, den Verwaltungen, den Fachverbänden und interessierten Vereinen. Für die AGSBB waren Anka Rahn, Victor Wolter und Sabine Wolf zugegen. Sie bestritten dort einen Vortrag und einen Workshop.

Den Auftakt der Veranstaltung machte das Duo „Die 2 aus dem Märchenbuch“.  Ihre moderne Version des Märchens „Hans im Glück“ zog das Publikum sofort in seinem Bann.  Lauter gute Menschen tauschten mit Hans Motorrad gegen Gastro-Kaffeezubereiter gegen Triple-HD-Flatscreen und und und. Als das eingetauschte Buch am Ende der Reise Hans in einen Brunnen fiel, wähnte er sich trotzdem im Glück: Er hatte es schon durchgelesen und den größten Schatz, die Fantasie, konnte ihm jetzt keiner mehr nehmen …

Beim anschließenden Vortrag von Sabine Wolf ging es um die Potentiale der Schulbibliotheken. Welche Potentiale besitzt eine Schulbibliothek? Das niedrigschwellige Angebot, welches Schüler bequem während der Schulzeit nutzen können und das Dazugehören zur Schule wurden als erste Potentiale ausgemacht. Eine besondere Bedeutung kommt dem Netzwerken zu: Hier kann die Zusammenarbeit mit der Öffentlichen Bibliothek vor Ort oder mit anderen Schulbibliotheken sehr fruchtbar sein. Betont wurde an dieser Stelle nochmals, dass die AGSBB seit Jahren einen wesentlichen Beitrag in der Vernetzung der Schulbibliotheken leistet und das Anliegen auch auf der öffentlichen und politischen Ebene diskutiert.

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Auch die Erfolgsfaktoren erfolgreicher Schulbibliotheksarbeit wurden thematisiert. Welche Erfolgsfaktoren machen aus einer Büchersammlung eine erfolgreiche Schulbibliothek, einen Lernort?  Hier betonte Sabine Wolf, dass drei Erfolgsfaktoren wesentlich zum Gelingen beitragen:

  • Die Schulleitung und Lehrerkollegium
  • Die Öffnung nach außen, die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern
  • Das qualifizierte Personal.

Im anschließenden Vortrag stellte Frau Dr. Edda Eska vom Friedrich-Bödecker-Kreis nach einem kurzen Überblick über die Aufgaben und Ziele des Bödecker-Kreises die „Autorenpatenschaften – Lesen und schreiben mit den Profis“ vor. Für dieses Bundesprogramm, bei dem die  die Förderung von bildungsbenachteiligten Kindern im Vordergrund steht, gingen 160 Bewerbungen ein. Die Zusammenarbeit mit bekannten Kinder- und Jugendautoren ist für die Dauer von einem Jahr angelegt und soll Heranwachsenden Bücher  nahebringen und sie zum Lesen und Schreiben animieren. Alle zwei Wochen findet dazu ein Workshop statt, bei dem z.B. auch ein kreativer Umgang mit Entschuldigungen („Warum ich meine Geschichte für den Workshop abgeben konnte“) Eingang in den Schreibprozess findet…

Zwar wird der Kontakt über die Lehrer angeregt, aber Frau Dr. Eska wies darauf hin, dass es sich bei den Patenschaften nicht um Schulprojekte handelt – die Teilnahme der Schüler und Schülerinnen ist freiwillig.  Insgesamt sollen bundesweit 30 Autorenpatenschaften angeregt werden, in Brandenburg wird seit kurzem ebenfalls eine Zusammenarbeit realisiert.

Um die Nutzung von digitalen Medien in Verbindung mit Bibliotheken ging es bei dem nachfolgenden Vortrag von Frau Cornelia Stabrodt. Frau Stabrodt ist Leiterin der Fouqué-Bibliothek in Brandenburg  und Vorsitzende des dbv-Landesverbandes Brandenburg.  Das Konzept „Lesen macht stark: Lesen und digitale Medien“ ist eine Zusammenarbeit zwischen dem dbv und der Stiftung Digitale Chancen, auch hier steht die Förderung bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendlicher im Vordergrund. Das Programm ist im Oktober 2013 gestartet, hat eine Laufzeit von 60 Monaten und setzt auf die Unterstützung durch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen, die eine dem Curriculum entsprechende Qualifizierung erfahren. Jüngere Bibliotheksbesucher können nach der in der Bibliothek vorgelesenen Geschichte im Anschluss kindgerecht das Internet kennen lernen („Geschichten im Netz“), für Jugendliche steht der Umgang mit den Sozialen Netzwerken („Social Reading“) und die Nutzung von Tablets („Meine Fotostory“) im Vordergrund. Ziele, welche durch das Konzept verfolgt werden, sind u.a. das Kennenlernen der Bibliothek als interessanten Raum und die Stärkung der Lesekompetenz.

Weitere Informationen unter www.lesen-und-digitale-medien.de und www.buendnisse-fuer-bildung.de.

Nach der anschließenden Kaffeepause, die intensiv zum Erfahrungsaustausch genutzt wurde, ging es in die Phase der Themeninseln. Anka Rahn und Victor Wolter boten eine Insel zum Thema „Unterricht in der Bibliothek“ an. Anhand unterschiedlicher Beispiel für Grund- und Oberschulen bzw. Gymnasien wurde dargestellt, dass die Schulbibliothek ein besonderer Lernort ist, der hilft, die für den Unterricht gültigen Rahmenlehrpläne zu erfüllen. So zeigte Anka Rahn aus ihrer Unterrichtsarbeit an der Karl-Sellheim-Schule Beispiele, die SchülerInnen zur Auseinandersetzung mit Literatur inspirieren. In einem Märchenprojekt gelingt es ihr, Lesefreude zu wecken und eine kreative Auseinandersetzung mit dem Gelesenen zu erreichen. In einem anderen Projekt erledigen die SchülerInnen Leseaufträge, die zum genauen Lesen und Verstehen anregen. Victor Wolter  stellte Unterrichtsprojekte für die weiterführenden Schulen vor. Dort geht es um einen anderen Aspekt, der in den Rahmenlehrplänen eine große Rolle spielt: Der Unterricht wird so gestaltet, dass die Lernenden gezielt Aspekte von Medien- und Informationskompetenz trainieren. Dazu nutzen die Projekte neben der Schulbibliothek des Victor-Klemperer-Kollegs  auch das Computerkabinett. So werden die Strategien zum Wissenserwerb in Büchern auf die Arbeit mit elektronischen Medien erweitert. Die anschließende Diskussion zeigte, dass das Interesse an Schulbibliotheken in Brandenburg groß ist. Schwierigkeiten haben die Schulen, die notwendigen Ressourcen bereitzustellen, sodass die Existenz der Schulbibliotheken oft am seidenen Faden hängt. Dass es auch anders geht, zeigt ein Beispiel aus Finsterwalde. Dort wird eine Stelle in der Schulbibliothek vom Schulamt bezahlt …

Cornelia Stabrodt ging im Rahmen ihrer Insel auf Angebote des dbv wie z.B. dem „Lesestart-Programm“  und auf die bestehende Kooperationsvereinbarung mit den VHS ein. Auch der Kooperationsvertrag zwischen dem Landesverband Brandenburg des dbv und dem Bildungsministerium wurden angesprochen. Im Zusammenhang mit den Schulbibliotheken betonte sie, dass es zwischen Schulbibliotheken und Stadtbibliotheken ein Potential  zur Zusammenarbeit gibt und dass ein Konkurrenzdenken eher hinderlich sei. Im zweiten Teil der Themeninsel stellten sich die  Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst vor und erläuterten ihren Wirkungskreis. Schnell wurde währenddessen klar, dass viele Vertreterinnen der Öffentlichen Bibliotheken gerne mehr Jugendliche Besucher ihrer Bibliotheken hätten, die Begeisterung dafür aber ab dem Teenageralter abnimmt. Auch die Zusammenarbeit mit Schulen gestaltet sich aufgrund der mitunter räumlichen Entfernung zur Stadtbibliothek bisweilen schwierig und hängt auch oftmals vom guten Kontakt zu einzelnen Personen ab. Eine Lösung für diese Probleme zeichnete sich leider trotz des intensiven Austauschs nicht ab.

Zusammenfassend ist zu bemerken, dass die Teilnahme an diesem Workshop für uns sehr inspirierend war und neue, wichtige Kontakte geknüpft werden konnten, die wir gerne intensivieren möchten.

Apropos Hollywood: Eine Schülerin hat bei der eingangs erwähnten Autorenpatenschaft folgende Entschuldigung, warum sie keine Geschichte hat abgeben können, abgegeben: „ich saß in einem Flugzeug und bin eingeschlafen. Als ich aufwachte war ich in Amerika und jemand hatte meine Geschichte verfilmt. Ich habe einen Oscar bekommen. Jetzt lebe ich in Hollywood und komme nicht mehr zurück.“ So kann’s gehen…