SBA Treptow-Köpenick am 30. September unterwegs nach Szczecin

Lange geplant und angekündigt, war es am 30. September endlich soweit. Simone Frübing (SBA Treptow-Köpenick) reiste zusammen mit ihrem erfahrenem Team, vertreten durch Gabriele Neumann (Grünauer Schule), Dirk Mertin (Schule an den Püttbergen), Aleksandra Smuda (Schmöckwitzer Inselschule) und Silke Graßnickel (angehende Erzieherin und zurzeit Schulbibliotheksmitarbeiterin an der Sonnenblumenschule und Edison-Schule) auf Einladung von zwei Schulen nach Polen. Die Kollegen nutzten den ersten Zug für die zweistündige Bahnfahrt, während Aleksandra Smuda, Gabriele Neumann und ich bereits den Vorabend zum Gedankenaustausch in Szczecin nutzten und auch die Preisverleihung und den Besuch von Markus Fritz nachbereiteten.
Im Gepäck hatten wir neben unseren neuen Broschüren auch jede Menge deutsche Kinderbücher, weil wir wussten, dass polnische Schüler Deutsch als Unterrichtsfach haben.


Die Reise vorbereitet hatte Aleksandra Smuda, gebürtige Polin und ausgebildete Lehrerin mit polnischem Abschluss, die seit Herbst 2010 an einer Schulbibliothek in Treptow-Köpenick arbeitet und mich 2011 zu Astrid Deppert nach Lund/Schweden begleitete.

An beiden Schulen wurden wir von der Schulleitung und dem Bibliotheksteam herzlichst begrüßt, erhielten Führungen durch das Schulhaus und nutzten die Chance zum Erfahrungsaustausch. Am Gymnasium präsentierten uns zwei Schüler die Arbeit der Schulbibliothek auf deutsch. Für die Übersetzung sorgte neben Aleksandra auch ihr Sohn, der uns an diesem Tag begleitete.

Wir fühlten uns an dieser Stelle wie auf einer Zeitreise, denn die Bibliotheken waren „kleine Museen“, weil einfach kein (zu wenig) Medienetat da ist und die Schulbibliothek von Spenden lebt. Für 300 Schüler gibt es aber eine Stelle für die Schulbibliothek, die zum Lehrpersonal der Schule gehört. Da das Gymnasium (Zespol Szkol Ogolnoksztalcacych Nr.1) aber 540 Schüler hat, gibt es nur eine Stelle für die Schulbibliothek und die teilen sich mit jeweils 15 Wochenstunden zwei Mitarbeiterinnen. Das 1949 gegründete Gymnasium und Lyzeum zeigte uns voller Stolz, welchen hohen Stellenwert die Schule und damit auch die Schulbibliothek in der Kulturszene der Stettiner Region einnimmt. Viele Persönlichkeiten haben an der Schule gelernt und gelesen und unterstützen die Schultreffen mit Dichtern, wichtigen Personen in einem Lyrikabend seit 2002. Es gibt 33000 ME, aber zum Programm gehört neben der Nutzung der Schulbibliothek die Betreuung von Veranstaltungen und Ausstellungen. Es gibt eine Kunsthandwerksausstellung. „Wir unterstützen Leidenschaften unserer Schüler, Lehrer und Absolventen!“
Öffnungszeiten: 8-14 Uhr, an zwei Tagen 8-16 Uhr

Das polnische Schulwesen ist personell gut aufgestellt. Es gibt Lehrerstellen für Fachlehrer, Hilfslehrer und Schulpädagogen. Vom Ministerium kommt die Zuweisung pro Schüler. Der Schulleiter kann Schulpädagogen, Bibliothekar oder Schulsozialarbeiter einstellen. An unserem Gymnasium gab es für 540 Schüler ca. 40 Lehrkräfte.
Der Medienetat von der Schule waren ca. 2000 Zloty (500 Euro), 200 Zloty kamen vom Förderverein. Das Personal für die Schulbibliothek gehört zur Schule und wird zentral finanziert. Jede Schule hat eine Schulbibliothek und 1-2 Personalstellen, aber auch hier werden die Kriterien verschärft, weil man sparen will.

Szczecin ist eine Stadt mit 405 000 Einwohnern, hat 140-180 Einrichtungen,wie Schulen und Kitas. In der Stadt werden 120 Schulbibliothekare mit 30 Wochenstunden beschäftigt. Die Schulbibliothekarin Magdalena arbeitete seit 25 Jahren an ihrer Schule und erzählte von ihren regelmäßigen Fortbildungen und Treffen mit den Kollegen. Sie hat eine pädagogische Ausbildung und könnte auch in einer Öffentlichen Bibliothek arbeiten. Die Schulbibliothekare sind Lehrer. Es gibt ein Bibliotheksgesetz von 1997.

Der Direktor der Grundschule (Szkola Podstawowa nr.61 im. Michala Kmiecika) erzählte uns seine Finanzierungsmöglichkeiten. Diese Schulbibliothek hat 13000 ME und die Schulbibliothekarin ist vollständig in den Unterricht integriert. Die Bibliothek hat 2 Räume, Lese- und Arbeitsraum und sie hat ganz viele Unterrichtsmaterialien für die Lehrer vorbereitet. Auch hier kommt die Schulbibliothek auf ca. 2000 Zloty (500 Euro) Medienetat durch Spendenaktionen im Wohngebiet.

Wir danken an dieser Stelle noch einmal den polnischen KollegInnen für die wertvollen Einblicke in ihre Arbeit und die Gastfreundschaft, die wir erlebten. Es gab in der Grundschule auch leckeren selbstgebackenen Kuchen, weil der „Jungentag“ gefeiert wurde und wir traten mit vielen nachdenklichen Emotionen die zweistündige Heimfahrt an. Natürlich haben wir zum Gegenbesuch nach Berlin eingeladen und vielleicht entwickelt sich eine stabile Partnerschaft zwischen den Schulen und uns.

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