Es gibt noch viel zu tun

Praktikumsbericht über die schulbibliothekarische Arbeit Treptow-Köpenick  (06.01.2013 – 08.05.2013) von Dennis Schuster

Der erste Praktikant: Ein Vorwort

Dies ist mein Erfahrungsbericht als Praktikant beim Schulamt Berlin Treptow-Köpenick unter der Leitung von Frau Frübing, die die Koordinatorin der schulbibliothekarischen Arbeit von Treptow-Köpenick (SBA) ist. Sie ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Schulbibliotheken Berlin-Brandenburg, deren Ziel es ist, Schulbibliotheken in Berlin und Brandenburg zu fördern und sie als wichtigen Teil der Schulpolitik darzustellen sowie die Vernetzung dieser. Dazu gehört auch unter anderem der enge Kontakt und Verhandlungen mit Schulen, die Einführung von Arbeitskräften (meist AGH-Kräfte; gefördert durch Maßnahmen des Jobcenters), die Finanzierung von Medien, Einrichtung und Arbeitsmitteln durch externe Mittel (z.B. Spenden oder Gelder des Schulamtes) und die Kontaktaufnahme mit der Öffentlichkeit; hauptsächlich mit Schulleitung, Lehrern und Eltern.

Ich habe Bibliotheksmanagement an der Fachhochschule Potsdam studiert und war damals auf der Suche nach einer Möglichkeit, mehr Erfahrungen für den weiteren Berufsweg zu sammeln. Es war eher ein Zufall, dass ich auf die Homepage der Arbeitsgemeinschaft stieß und habe spontan entschieden, dass ich mich dort als Praktikant bewerbe, auch wenn mein Wissen über Schulbibliotheken vergleichsweise recht gering war. Recht schnell wurde ich auch Mitte Dezember zu einem Gespräch mit Herrn Wolter (Ansprechpartner der Arbeitsgemeinschaft für Berlin) und Frau Frübing eingeladen und schon kurz nach den Weihnachtsferien, am 6. Januar, konnte ich mein Praktikum beginnen.

Entgegen meiner anfänglichen Bedenken war gleich am Anfang klar, dass ein bibliothekarischer Praktikant nicht einfach eine günstige Arbeitskraft ist, sondern jemand, der sich in Praxis und Theorie der Schulbibliotheken und der Arbeitsgemeinschaft einleben soll.

Hierbei sollte ich die Arbeit von Frau Frübing hervorheben, die sehr bedacht war, dass ich möglichst viele Einblicke und Erfahrungen in der schulbibliothekarischen Arbeit sammle; nicht nur aus der Sicht einer Leitungsperson, sondern besonders aus dem Blickwinkel der Mitarbeiter der einzelnen Schulbibliotheken. Auch wenn ich ihr erster Praktikant war, so hatte ich den Eindruck, als ob sie dies schon jahrelang gemacht hatte. So oft es ihr möglich war, gab sie viele wissenswerte Informationen über die schulbibliothekarische Arbeit in Treptow-Köpenick und machte auch Führungen in andere Schulbibliotheken des Bezirks.

Tätigkeiten während des Praktikums (Kurzfassung, der ausführliche Bericht steht demnächst als pdf zur Verfügung):

  • Alexander-von-Humboldt-Gymnasium:
    • Einarbeitung von Magellan
    • Medien-Standortumstellung
    • Betreuung der Bibliotheks-AG
    • Erstellung von Lageplan und Bibliotheksordnung
  • Sophie-Brahe-Gemeinschaftsschule:
    • Betreuung von Kindern
    • Leseförderung
    • Einarbeitung von MAE-Kräften (u. a. in Magellan)
    • Erstellung einer Vorschlagsliste für ein Lesecafé
  • Andere Tätigkeiten:
    • Erstellung von Vorträgen für Workshops sowie deren Durchführung
    • Aufbau der Schulbibliothek der Bouché-Schule (Filiale Kiefholzstraße) sowie Unterstützung durch Vorlesestunden
    • Unterstützung der Schulbibliotheken der Uhlenhorst- und der Heide-Grundschule (u. a. Unterstützung bei Magellan und Leseprogrammen)
    • Exkursionen zu Schulbibliotheken in Treptow-Köpenick sowie in die Bibliothek der Lenauschule in Kreuzberg und dem Medienforum in Mitte

Das große Fazit

Insgesamt kann ich sagen, dass das Praktikum mir sehr geholfen hat. Nicht nur, dass ich etwas über die SBA und die Arbeitsgemeinschaft gelernt habe, sondern auch über die praktische Arbeit in Schulbibliotheken an sich.

Frau Frübing ist eine sehr kompetente Lehrperson, der es wirklich wichtig ist, viele Eindrücke und Informationen zu sammeln und die Arbeit aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Man spürte, dass sie nicht einen einfachen Praktikanten leitete, sondern einen möglichen zukünftigen Kollegen. Dafür verlangte sie aber auch, dass Leistung erbracht und möglichst viel Wissen gespeichert wird. Auch war sie sehr darauf bedacht, meine individuellen Stärken und Schwächen zu erkennen und wie man sie besonders gut einsetzen könnte. Ihr bedeuten die Tätigkeiten der SBA sehr viel, was man bei ihrem Engagement bemerkte. Auch selbst lernte sie äußerst interessiert den Umgang mit Praktikanten. Für ihre erste Leitung eines Praktikanten hat sie sehr gute Arbeit geleistet und ich hatte nie das Gefühl, dass ich vernachlässigt werde.

Für mich hat sich mit dem Praktikum die Anschauung auf die Schulbibliotheken maßgeblich verändert. Vor dem Praktikum hatte ich immer gedacht, dass Schulbibliotheken eine Selbstverständlichkeit sind, die nicht die Probleme der öffentlichen Bibliotheken haben, die teilweise um ihr Überleben kämpfen. Doch seit dem Praktikum weiß ich, dass Schulbibliotheken sogar größere Probleme haben, die ohne die Unterstützung und Arbeit von Lehrern, Eltern und, selbstverständlich, der Arbeitsgemeinschaft und deren Förderer, kaum zu bewältigen wären.

Die Integration in das Schulsystem erweist sich als schwierig. Es muss mehr getan werden, um die Schulbibliothek nicht als „notwendiges Übel“ anzusehen, welche stiefmütterlich behandelt wird, sondern als wichtigen fördernden Bestandteil des Lese- und Lernprozesses der Schüler.

Erst mit der Anerkennung als wichtiger Bestandteil der Bildungspolitik können Schulbibliotheken überhaupt erst bestehen. Doch dafür muss auch finanziell viel geleistet werden:

  • Neuere Medien, die für Schüler und Lehrer interessant sind
  • Mehr Mitarbeiter mit sozialpädagogischer und bibliothekarischer Vorbildung, die auch Wissen weiter vermitteln können
  • Feste Mitarbeiter, die besser mit den Lehrern und Schülern agieren können
  • Bessere IT-Mittel für den Ausbau des Magellan-Netzwerkes
  • Neue Konzepte zur Lese- und Lernförderung (z.B. Lesekoffer oder Aufgaben zur Literaturrecherche) mit passenden Materialien

Doch dies ist bisher ein Teufelskreis zwischen Nutzen und Kosten, dem die SBA entgegenwirken will. Mit Kooperationspartnern setzt sie sich aktiv ein, dass Schulbibliotheken einen festen Bestand haben. Doch dies ist nur möglich, wenn die Öffentlichkeit sich mehr daran beteiligt:

  • dass Schulbibliotheken stärkeren Zuspruch von Schulleitern, Lehrern, Eltern, Schülern, öffentlichen und anderen bildenden Einrichtungen (z.B. Hochschulen), aber auch von privaten Personen und lokaler Politik erhalten,
  • dass Schulen und Lehrer das Interesse der Schüler mehr in Richtung der Schulbibliothek lenken,
  • dass Schüler lernen, dass Recherchen mehr sind als der schnelle Klick auf Wikipedia und sich aktiv am Erhalt beteiligen,
  • dass Eltern mehr Druck ausüben, dass die Schulbibliotheken gefördert werden sollen und
  • dass die Öffentlichkeit erfährt, wie wichtig die aktive Lese- und Lernförderung von Schulbibliotheken für die zukünftige Generation ist.

Es ist ein weiter Weg, bis diese Ziele erreicht sind, aber die Arbeitsgemeinschaft ist auf dem rechten Weg.

Ich empfehle, auch die Hochschulen mit in den Prozess zu integrieren. Ein gutes Beispiel wären die Fachhochschule Potsdam und die Humboldt-Universität, wo  zukünftige Bibliothekare, Archivare und Dokumentare ausgebildet werden. Wissenschaftliche und öffentliche Bibliotheken und Institute stehen dort im Fokus, doch schulbibliothekarisch ist noch vieles unbekannt. Ich selbst hätte ohne Zufall wohl nie erfahren, dass es eine eigene Arbeitsgemeinschaft für Schulbibliotheken dafür gibt. Man kann z.B. Exkursionen anbieten, Ausschreibungen für Praktika oder sogar Themen für Bachelor- oder Master-Arbeiten anbieten. So könnte man nicht nur auf die eigenen Arbeiten hinweisen, sondern auch selbst neue Ideen erlangen. Auch Einrichtungen mit sozialpädagogischen Studiengängen wären eine Möglichkeit, die Mitarbeiter zu fördern (z.B. einer Abschlussarbeit mit dem Thema „Sozialpädagogisches Wissen an schulbibliothekarische Mitarbeiter vermitteln“).

Den zukünftigen bibliothekarischen Praktikanten kann ich jedenfalls ein Praktikum dort empfehlen. Es ermöglicht nicht nur den Blick ins Innere der Schulbibliotheken, sondern auch einen großen Weitblick über das ganze System und bietet viel Spielraum für neue Ideen und Konzepte. Man sollte jedoch einige Voraussetzungen mitbringen; insbesondere den Spaß an der Arbeit mit Kindern, viel Geduld, große Lernbereitschaft und die Fähigkeit, eigenes Wissen zu reflektieren und weiterzuvermitteln. Wer diese Fähigkeiten besitzt, kann ein sehr informatives und abwechslungsreiches Praktikum erleben.

In diesem Sinne:

Vielen Dank für die schöne Zeit bei Ihnen, liebe SBA, und noch viel Erfolg bei Ihrem Auftrag.

Dennis Schuster

P.S.: Der ausführliche Bericht steht demnächst als pdf-Datei zur Verfügung

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