Eine kurze Reise durch das Schulbibliotheksuniversum

Bouche-Schule_03_webWir, Eltern, LehrerInnen und ErzieherInnen der Bouché-Schule/Filiale Kiefholzstraße,  sind dabei, eine Schulbibliothek zu gründen. Frau Frübing von der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle sagt nach einem Treffen in der Filiale ihre Unterstützung zu. Schon beim ersten Treffen machen wir uns an die Arbeit und entscheiden uns für einen geeigneten Raum. Um Ideen zu sammeln und um überhaupt die verschiedenen Schulbibliotheksprojekte kennenzulernen, bietet Frau Frübing an, mich ein wenig in Berliner Schulbibliotheken herumzuführen.

14.11.2012. Ich treffe mich um 10.30 mit Frau Frübing und Frau Westphal vor der Bouché-Filiale um mit unserer Tour zu beginnen. Als erstes schauen wir uns nochmal unseren kleinen Raum an, den wir als unsere Schulbibliothek ausbauen möchten und anschließend auch die Mensa nebenan, die man ebenfalls für Gruppenarbeiten und größere, raumintensivere Projekte als Bibliotheksverlängerung nutzen kann. Schon hier kommen einige Ideen auf, was man alles machen könnte: eine Vitrine im Flur für verschiedenen kleine Bücherausstellungen oder Neuerscheinungen, einen schmalen Tisch für kurze Recherchen…

Schule am Berg_webWährend der 20minütigen Fahrt zur Grundschule am Berg in Berlin Altglienicke erzählt Frau Frübing ein paar Hintergrundinformationen über die Bibliotheken, die wir besuchen werden. In der fast 100 Jahre alten Grundschule am Berg treffen wir Frau Preiß, die 2009 als MAE-Kraft aus einem ehemaligen Abstellraum eine wunderschöne kleine Bibliothek erschaffen hat. Da unser Raum ebenfalls klein ist, ist natürlich jede Idee willkommen, die hilft, einen kleinen Raum benutzerfreundlich und ansprechend einzurichten. Neben den kleinen Gestaltungsdetails finde ich die Idee mit dem Teppichboden, auf dem bunte Kissen hingelegt sind und wodurch vor den Regalen mobile gemütliche Kuschelleseecken entstehen können, sehr gut.

Die nächste Station ist die Grünauer Gemeinschaftsschule, wo uns Frau Neumann erwartet und erzählt, dass sie gerade aus einer Klasse kommt, wo sie eingeladen wurde um das für das Weihnachtsfest eingeübte Schattenspiel anzuschauen und zu begutachten. Man hat das Gefühl, sie ist zu Hause in der Schule. Dieses Gefühl bestätigt sich durch ihre Erzählungen.

Sie erzählt, dass sie vor 6 Jahren angefangen hat die Bibliothek aufzubauen, dass es am Anfang gedauert hat bis die Bibliothek sowohl von den Lehrern als auch von den Schülern überhaupt angenommen wurde. Heute, sagt sie neben ihrer selbstentworfenen Ausleihtheke in der kleinen Bibliothek, kommen die Kinder mit großer Freude und die Bibliothek ist fest in ihrem Schulalltag integriert. Sie helfen bei der Bestandspflege, räumen die Bücher ein, die Größeren lesen mit den Kleineren und es wird viel Projektarbeit durchgeführt in der Bibliothek. Frau Neumann ist fest in den schulischen Stundenplan eingebunden: sie begleitet den Unterricht, führt aber auch gleichzeitig eigene Projekte durch. Die Nachfrage war so groß, dass sie in der Zwischenzeit auch im Foyer Raum für die Bibliothek gewinnen konnte, wo nun gemütliche Leseecken entstanden sind.

Müggelseeschule_webDie nächste Station ist die Müggelsee Grundschule in Friedrichshagen, wo wir Herrn Engel treffen. Herr Engels Bibliothek ist deutlich größer als alle bis jetzt gesehenen, dadurch gibt es mehr Raum fürs Lesen: ein Podest, eine abgetrennte Lesecouchecke und in der Mitte ein großer Tisch. Herr Engel berichtet auch, dass die Bibliothek Lesungen, Sitzungen und Besprechungen Platz bietet, sogar Klassenarbeiten werden hier geschrieben und teilweise halten sich gleichzeitig mehr als 40 Kinder in der Bibliothek auf. Als wir gehen klingelt es gerade und schon stürmen die ersten Kinder rein, um in den Büchern weiterzulesen.

schulgebäudeAls nächstes fahren wir zur Grundschule an der Wuhlheide in Köpenick, wo uns Frau Westphal die Räumlichkeiten zeigt. Hier herrscht eine Übergangsstimmung, denn aus den ursprünglich geplanten 300 qm Bibliothek sind nur 40 m² übriggeblieben, die zudem in der nächsten Zeit weiteren Baustellen ausgesetzt sind. Nichtsdestotrotz sind Frau Westphal und ihr Kollege dabei, alle Bücher in das neue EDV Magellan einzugeben und sie mit den in den Stadtbibliotheken üblichen Farb-Signaturkennungen zu versehen, um auch so eine bessere Vernetzung unter den Bibliotheken zu gewährleisten und die Orientierung für die Kinder zu erleichtern.

Schule an der alten Feuewache_webUnsere letzte Station ist die Bibliothek der Schule an der alten Feuerwache in Niederschöneweide: die Bibliothek besteht aus einem größeren Raum mit einem sich anschließenden Computerraum. Da wir gerade zur Mittagszeit ankommen, wenn für einige Klassen der Unterricht zu Ende ist, können wir erleben, wie Kinder hereinstürmen: Manche bringen Bücher zurück, andere verhandeln Ausleihfristen neu oder setzen sich gemütlich mit einem Buch auf die riesengroße zusammensetzbare Couch und fangen an zu lesen. Die Bibliotheksleiterin erzählt mir auch von ihren Projekten: auch hier besteht die Arbeit aus mehr als nur Bibliotheksbetreuung: es wird mit den Kindern gelesen, es werden viele thematische Projekte mit Klassen ausgeführt, in dem Computerraum werden die Kinder, die mit dem Antolin-Programm arbeiten, betreut.

Lenau-Schule 2_webAm 26.11. treffen wir uns nochmal und besuchen die Lenau-Schule in Kreuzberg. Die schon seit 15 Jahren existierende sehr schöne Bibliothek mit vielen gemütlichen Leseecken ist gut in den Schulbetrieb integriert. In den Bibliotheksräumen werden täglich 2-3 Bilderbuchkinovorführungen für verschiedene Klassen organisiert. Es gibt Ferienbücherkisten mit unterschiedlichen Büchern und einen Fragekatalog dazu. Außerdem gibt es dort von den BibliothekarInnen mit Büchern, Spielen und CDs zusammengestellte Lesekoffer, die Familien für 2 Wochen ausleihen können.

Die nächste Station ist die Adolf-Glaßbrenner-Grundschule in Kreuzberg, wo Bettina Braun in Trägerschaft des Diakonischen Werkes einen sehr interessanten Lesekeller als Präsenzbibliothek leitet. Im Lesekeller werden vormittags Erzählstunden für Klassen angeboten, nachmittags stehen die 4 Räume für den Normalbetrieb offen. Es finden im Lesekeller neben regelmäßigen Bilderbuchaufführungen und Lesestunden auch ganzwöchige Literaturprojekte in den Ferien statt. Frau Braun bietet im Bereich Lesepädagogik verschiedene Fortbildungen für Lehrer und Erzieher an. Gerade wird mit den Kindern zusammen eine Wort- und Schreibwerkstatt eingerichtet.

Ich nehme aus den zwei Bibliotheksbesichtigungstagen viele neuen Ideen und Eindrücke mit. Es waren sehr spannende Stunden: Ich habe mir ein Bild machen können, welche kleinen Details wichtig sein können bei Schulbibliotheken und was bei einer gut funktionierenden Bibliothek wichtig ist. Was mich am allermeisten beeindruckt hat, sind die BibliothekarInnen, die neben ihrer Bibliotheksarbeit noch vieles mehr leisten. Sie sind sowohl im Hortbetrieb wie auch in den Unterricht eingebunden, helfen den Schülern und den Lehrern bei den Recherchearbeiten und haben auch noch viele eigene Projekte und Ideen: sie lesen vor, hören beim Vorlesen zu, organisieren Lesewettbewerbe, begleiten Lesepatenschaften, veranstalten Bilderbuchkinos und machen all das mit Herz und Freude. Ihre einzige Sorge ist, dass sie permanent zittern müssen, wann ihre Stellen auslaufen und nicht mehr verlängert werden. Und das ist für mich unfassbar, dass es keine geregelte Möglichkeit gibt, solche fähigen Leute, die sich so förderlich in diesen neuen Bereich zwischen Bibliotheks- und pädagogischer Arbeit eingearbeitet haben, auf Dauer behalten zu können.

Gudrun Lörincz
Elternvertreterin der Bouché-Schule, Filiale Kiefholzstraße

 

Die Kommentare sind geschloßen.