Bücher brauchen Personal

12. AGSBB-Veranstaltung am 15.01.2013 in der Heinrich-Seidel-Grundschule

Das Thema Personalausstattung der Schulbibliotheken“ bewegte viele Mitglieder der AG Schulbibliotheken Berlin-Brandenburg in die Heinrich-Seidel-Grundschule zu kommen. In großer Runde saßen 20 VertreterInnen von (Schul-) Bibliotheken sowie Herr Motz von ProAB e.V., einem Träger, der er­folgreich arbeitsmarkt­politische Maßnahmen im Bereich Schulbibliothek entwi­ckelt, zusammen.

Harmlos fing das Treffen an. Erfreut über das Wiedersehen und gut versorgt mit Kaffee und Kek­sen, zeigten sich die Teilnehmerinnen beeindruckt von den großen Räumen der Schulbibliothek der Heinrich-Seidel-Grundschule.

Ursprünglich befand sich hier eine Stadtteilbibliothek. Diese guten Voraussetzungen nutzen die Schulleiterin Cornelia Flader sowie die 40 LehrerInnen und 33 Erzie­herInnen der Heinrich-Sei­del-Grundschule hervorragend, um den 500 SchülerInnen, von denen 98% nicht deutsch als Muttersprache sprechen, den Weg zum Buch zu ebnen.

Unterstützt werden sie dabei von einem Bibliotheksteam: zwei BürgerarbeiterInnen sowie Frau Wiese, Studierende an der Fachschule für Sozialpädagogik des tjfbg. Diese haben, auch in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek am Luisenbad, eine Vielzahl beeindruckender An­gebote zur Leseförderung entwickelt (mehr dazu hier).

Ein ganz besonderes Angebot ist die „Kinderausleihe“, die von SchülerInnen ab der 4. Klasse durch ge­führt wird.

Doch auch die „Kinderausleihe“ kann das dringendste Problem der Schulbibliotheken nicht lösen, das Personalproblem.

Und so trübte sich die fröhliche Stimmung, denn es wurde deutlich, über Personal, das die Bi­bliothek dauerhaft bibliothekarisch und pädagogisch entwickelt, verfügen nur wenige Schulbiblio­theken. Der Austausch in der Runde zeigt: Nur in einer Bibliothek, der des Lette-Vereins, wurde die Bibliothekarin auch als solche ein­gestellt, die anderen Schulbibliotheken haben mit Engagement und Phantasie Möglichkeiten ge­funden, die Öffnung mehr oder weniger dauerhaft zu ermöglichen. Drei Wege werden an diesem Nachmittag deutlich:

  • Der clevere Wege: SchulsozialarbeiterInnen arbeiten in der Biblio­thek. Dieser Weg sichert die Öffnung der Schulbibliothek dauerhaft und mit pädagogisch qualifizierten MitarbeiterInnen. Nachteil dieses Modells ist, dass eine Stelle nicht ausreicht, um die Schulbibliothek über die Unterrichtszeit zu öffnen, geschweige denn, pädagogische Angebote anzubieten. Au­ßerdem ist diese Lösung nur möglich, wenn an der Schule Stellen für Schulsozialarbeite­rInnen vorhanden sind.
  • Die Notlösung: Die meisten Schulbibliotheken arbeiten mit Unterstützung von Menschen, die ihnen durch Jobcenter zugewiesen wurden. MAE, FAV und Bürgerarbeit sind hier die am häufigsten genannten Beschäftigungsmo­delle. Ohne die­se TeilnehmerInnen könnten die meisten Schulbibliotheken nicht öffnen. Doch leider sind mit diesem Modell viele Nachteile verbun­den. Zum einen sind die Maß­nahmen zeitlich begrenzt sind. Das bedeutet, dass die Öff­nung der Bibliothek meist nur für ein halbes Jahr gesichert ist. Stän­dig müssen sich Schulbibliotheksleite­rInnen um Verlän­gerungen oder neue Maßnahmen bemühen, ständig müssen neue Teilnehme­rInnen eingearbeitet werden. Sind TeilnehmerInnen einge­arbeitet, gestaltet sich die Zusammenarbeit ganz überwiegend gut. Insbesondere dann, wenn die TeilnehmerInnen die Perspektive bekom­men, län­ger in der Schulbibliothek zu bleiben und durch Schulungen qualifiziert werden. Ein weiterer Nachteil Modells ist die Bezahlung der so Beschäftigten, die ihrer Tätigkeit nicht angemessen ist. Engagierte Arbeit und die Bereitschaft, sich zu qualifizieren muss auch in der Bezahlung deutlich werden und in einer beruflichen Perspektive münden. Und nicht zuletzt sind personelle Kontinuität und Qualifikation Voraussetzungen für die Qualität der schulbibliothekarischen Arbeit.
  • Die innovative Lösung: Seit dem Schuljahr 2012/13 bie­tet der tjfbg im Rahmen der berufsbegleitenden Erzieherausbildung den Schwerpunkt „sozi­alpädagogische Bibliotheksarbeit“ an. Inzwischen arbeiten auf diesem Weg zwei Auszubil­dende in Schulbibliotheken, u.a. Petra Wiese in der Heinrich-Seidel-Grundschule. Dieser Weg ermöglicht es, für drei Jahre Unterstützung durch interessierte Auszubildende zu be­kommen. Möglich ist dies aber nur an Schulen, die Stellen für ErzieherInnen zur Ver­fügung haben und bereit sind, eine dieser Stellen in der Bibliothek anzusiedeln.

Darüber hinaus werden Schulbibliotheken durch LehrerInnen, die dafür zum Teil Abmin­derungsstunden erhalten und viele Ehrenamtliche, häufig aus der Elternschaft der Schule, unter­stützt.

Die großen Schwierigkeiten, personelle Unterstützung für die Schulbibliotheken zu bekommen, die unbefriedigende Situation, in der sich die meist überaus engagierten MitarbeiterInnen befinden, lö­sen Unverständnis und Unzufriedenheit in der Runde aus.

Solange aber in der Politik die Einsicht fehlt, dass Bücher Lesefähigkeit fördern und, dass für viele Kinder der Weg zum Buch nur über die Schulbibliothek führt, ist nicht mit einer Änderung der Si­tuation zu rechnen.

Dennoch, auch diese AGSBB-Veranstaltung verfiel nicht in Depression, sondern endete mit der Präsentation der Marzahn-Hellersdorfer Lesetage, einem Projekt das zeigt, was mit viel Engage­ment und der Unterstüt­zung von Bezirk und Jobcenter gelingen kann – so schön kann Lesen sein, wenn alle mitmachen (mehr dazu hier).