Die Bibliothek der Heinrich-Seidel-Grundschule

Die Heinrich-Seidel-Grundschule befindet sich im Wedding, Stadtbezirk Mitte. In ihr lernen fast auschließlich Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Sie ist eine sportbetonte Ganztagsschule. Die Kinder erleben hier, so erklärt Schulleiterin Cornelia Flader in einem Video, einen ständigen Wechsel von Unterricht und Freizeitangeboten, der bis in den Nachmittag reicht. Die Schule arbeitet dabei seit Jahren mit der tjfbg zusammen, einem Träger der freien Jugendhilfe. Die tjfbg sorgt auch für Personal in der Schulbibliothek, die an der Heinrich-Seidel-Grundschule eine große Rolle spielt. Davon erzählt die Mitarbeiterin Petra Wiese.

Eine Welt des Lesens

Die Bestände wurden zum Teil in die Schulbibliothek überführt. Mit ihren 200 m² und ihren 14.000 Titeln ist sie sicher eine besonders große Schulbibliothek. Aber ihr Dasein in einer Brennpunkt-Schule macht diese Bibliothek eben auch besonders wichtig und erhaltenswert. In regelmäßigen Abständen stand sie vor dem finanziellen Nichts. Dass es sie nach wie vor gibt, verdankt sie dem zähen und kreativen Engagement der Schule. Schulleitung und Kollegen gaben einfach nicht auf. Kooperationen wurden gesucht und gefunden. Seit Sommer ist nun Personal-Kontinuität gewährleistet. Die tjfbg (Technische Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft) finanziert eine Stelle, nämlich meine. Berufsbegleitend werde ich zur Erzieherin ausgebildet. Ein Schwerpunkt meiner Ausbildung ist die sozialpädagogische Bibliotheksarbeit. Es versteht sich von selbst, dass der große Bestand weitere manpower benötigt. Zur Zeit sind zwei Mitarbeiter mit Bürgerarbeitstellen beschäftigt, die den Bestand hegen und pflegen. Einer von ihnen arbeitet schon länger dort und hat ein praktisches Signaturensystem entworfen.

Fast alle Schüler und Schülerinnen der Heinrich-Seidel-Grundschule sind nichtdeutscher Herkunft und sie stammen zu meist aus bildungsfernen Familien. Eine große pädagogische Herausforderung besteht darin, die Kinder an Bücher, ans Lesen heranzuführen. In enger thematischer Absprache mit den Erzieher/innen und Lehrer/innen – wir sind eine gebundene Ganztagsschule – finden Kurse in der Bücherei statt. Die Bandbreite des Angebots reicht von der Sprachförderung für Kinder, die kaum ein Wort Deutsch sprechen, bis hin zum Lesekurs für besonders gute Leser. Spielerisch werden die Kinder der Saph-Phase ans Lesen herangeführt. Es ist immer wieder schön zu beobachten, dass gerade die Kleinsten, die zu Hause sicher keine Lese-Vorbilder haben, genau wissen, welche Bücher sie ausleihen möchten.

Die Schule kooperiert mit der Kita, die sich im Gebäude befindet. Die Kita-Kinder besuchen altersgerechte Leseveranstaltungen, die sich inhaltlich am Sven-Walter-Curriculum orientieren.

Die Bibliothek ist ein lebendiger Ort der Begegnung. Die Kinder leihen sich Bücher aus, recherchieren, spielen, machen ihre Hausaufgaben und reden miteinander. Vormittags finden Kurse statt, nachmit-tags ist die Bibliothek für alle offen. Es werden Lesungen organisiert, Lesenächte veranstaltet und nicht zuletzt mit der Stadtbibliothek am Luisenbad kooperiert. Die Schüler arbeiten aktiv in der Bibliothek mit. Der Bibliotheksdienst ist sehr beliebt und die Plätze sind heiß umkämpft.

Neben den ehrenamtlichen Lesepaten gibt es Schülerlesepaten aus den sechsten Klassen, welche den „Kleinen“ vorlesen. Wir wählen das Buch des Halbjahres, veranstalten Lesewettbewerbe und Bilderbuchkino.

In dieser vielfältigen Welt des Lesens fehlt noch ein fester Etat für Neuanschaffungen, aber wir arbeiten dran und geben es nicht auf …

Eine Welt des Lesens
Petra Wiese

An der Heinrich-Seidel-Schule wird die 12. AG-Veranstaltung am 15. Januar 2013, um 17 Uhr, stattfinden. Eine eigene Ankündigung wird demnächst veröffentlicht.

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