Vielfältige Leselust

Bericht von der 11. AGSBB-Veranstaltung am 13.11.2012  in der Schulbibliothek des Victor-Klemperer-Kollegs

Wer sie kennen lernen will, die perfekt organisierte, gut eingespielte Schulbibliothek, muss sich auf den Weg nach Marzahn machen. Bücherkoffer von queerformat

Sechs Mitglieder der AG Schulbibliotheken und zwei Gäste sind der Einladung zum 11. AGSBB-Treffen gefolgt und wurden für ihr Kom­men reich belohnt. Denn sowohl Victor Wolter von der Schulbibliothek des Victor-Klemperer-Kollegs, als auch Kerstin Florkiw und Yan Feuge von queerformat beeindruck­ten mit ihren Präsentationen und hatten Interessantes zu berichten.

Die Victor-Klemperer-Bibliothek hat in ihrem sechsjährigen Bestehen eine Vielzahl von An­geboten entwickelt und ist so zu einem Zentrum des Schullebens geworden. Jedes Buch der Schule wird dort verzeichnet, alle Klassensätze ausgegeben (am Schuljahresanfang werden hier 3000 Bücher in drei Stunden verbucht und ausgegeben!), Unterrichtseinheiten für fachbezogenes Lernen in der Schulbibliothek wurden erstellt und Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit FachlehrerInnen organisiert.

Victor Wolter präsentiert seine ArbeitDie frisch renovierte Bibliothek bietet den SchülerInnen des Victor-Klemperer-Kollegs von 8:00 – 16:00 h beste Arbeitsmöglichkeiten: neben dem Zugang zu 7000 Büchern, stehen neun PC-Arbeitsplätze, ein Beamer, eine Druck- und eine Laminierstation zur Verfügung.

Doch Victor Wolter hat nicht nur eine funktionierende Schulbibliothek aufgebaut. Er hat darüber hinaus in Marzahn-Hellersdorf gezeigt, wie vernetzte Schulbibliotheksarbeit aus­sehen kann und welche Erfolge damit verbunden sind. Innerhalb von zwei Jahren ist es ihm gelungen, im Bezirk ein Projekt zu realisieren, das 17 Schulen die Chance gibt, Schul­bibliotheken zu gründen oder weiterzuentwickeln.

Hier das Rezept – zur Nachahmung empfohlen: Der Weg führt über den Bezirksbürger­mBibliothek des Victor-Klemperer-Kollegs: frisch renovierteister und Bildungsstadtrat, dessen Unterstützung die politische Basis des Vorhabens bildet. Mit dieser Hilfe kann es gelingen, bezirkliche Arbeitsinstrumente wie MAE und Bür­gerarbeit für die Unterstützung von Schulbibliotheken einzusetzen. Weiterhin benötigt man einen engagierten Träger, das Jobcenter, die Mithilfe von Schulamt und Schulräten sowie tatkräftige LehrerInnen, SozialarbeiterInnen und SchulleiterInnen. So kann man schlafen­de und träumende Schulbibliotheken erwecken und zu lebendigen Schulorten zu machen.

Doch dieser in Berlin einzigartige Erfolg war Victor Wolter nicht genug. Er wollte gemein­sam mit den BibliothekshelferInnen und der Stadtbibliothek auch nach außen zeigen, was Bi­bliotheken leisten und was Lesen verändern kann. Und so hat er ein Lesenetz über den Bezirk gelegt und die Marzahn-Hellersdorfer „Lesetage“ organisiert. An drei Tagen im Ok­tober boten 42 Veranstaltungen die Gelegenheit, Lesen in allen Dimensionen zu erleben. 22 davon fanden an den Schulen, neun in öffentlichen Bibliotheken und elf im Hellersdor­fer Einkaufszentrum Helle Mitte statt. Höhepunkt der „Lesetage“ war die prominent be­suchte Abschlussveranstaltung, auf der der Bezirksbürgermeister seine Unterstützung für die Weiterführung der Bibliotheksprojekte zusagte. Herzlichen Glückwunsch zu diesem doppelten Erfolg!

Doch Zeit, um vor Neid zu erblassen, blieb bei der 11. AG-Veranstaltung nicht. Denn Kers­tin Florkiw und Yan Feuge von queerformat sind gekommen, um alte Vorstellungen ins Wanken zu bringen. Fünf Büchertische zu den Schwerpunkten Familie, Geschlechterrollen, Behinderung, Her­kunft und Homosexualität gaben Gelegenheit Vielfalt zu entdecken. Alle präsentierten Bücher für Kinder im Grundschulalter, welche die Vorstellung von Normalität erweitern. In 25 Büchern stellen u.a. Jungs, die mit Puppen spielen und bunte Raben in Frage, was denn eigentlich normal ist. Das Nachdenken darüber anzuregen hat queerformat sich zur Aufgabe gemacht. Ihr Ziel ist es, die Vielfalt der Lebenswelt abzubilden und so (nicht nur) Kindern bei der Wertorien­tierung zu helfen und Demokratieerziehung zu unterstützten.

Büchertisch

BucherkundungBucherkundung

Und da es dafür nie zu früh ist, erweitert queerformat sein Angebot in Kürze um einen Kof­fer mit Medien für Kinder im Kindergartenalter.

Wer Interesse hat, mit dem Medienkoffer zu arbeiten, kann diesen ausleihen. Und nicht nur das: Kerstin Florkiw und Yan Feuge unterstützen Schulen und Kitas auch individuell bei der Einbindung der Medien in die Arbeit – ein tolles Angebot, das sich niemand entge­hen lassen sollte.