Schulbibliothekarinnen aus Beirut in Berlin

Zwei Wochen verbrachten die Beiruter Schulbibliothekarinnen Caroline Ghostine und Louma Haidar von der Al-Ahmasani-Schule in Berlin. Das Berliner Goethe-Institut hatte die AGSBB wieder um Unterstützung gebeten.

Caroline Ghostine und Louma Zaidar lernten drei Berliner Schulbibliotheken kennen:

In der John-F.- Kennedy-Schule (JFK) ermöglichte Frau Nicolai einen Einblick in das Geschehen in der Grundschul- und der Sekundarstufenbibliothek. AG-Mitglieder hatte Frau Nicolai schon einmal in ihre Grundschulbibliothek eingeladen, so ist nachvollziehbar, dass ein (Kurz-)Praktikum hier eine Fülle von Anregungen bringt.

Die Schulfarm Insel Scharfenberg in Reinickendorf ist Gymnasium mit Internat. Sie ist allein schon wegen ihrer Lage – nur über eine Fähre zu erreichen – sehenswert. Sie entstand Anfang der Zwanziger Jahre und ist bis heute überwiegend in den damals entstandenen Bauhaus-Gebäuden untergebracht. Zum Konzept gehörte die Selbstversorgung durch einen landwirtschaftlichen Betrieb auf der Insel. Die Schule hat intensive internationale Kontakte, da sie an dem Planspiel „Modell UN“ teilnimmt, in dem Schüler auf internationalen Konferenzen die UN-Vollversammlung simulieren. (Die JFK macht das ähnlich: Berlin Model UN.)

Frau Weyrauch leitet ehrenamtlich die „Inselbibliothek“. Die beiden Lehrerinnen hatten dort u. a. Gelegenheit, im Bibliotheksunterricht einer Klasse zu hospitieren und diskutierten mit den Schüler/-innen.

Die Leo-Lionni-Grundschule im Wedding ist aus drei Schulen hervorgegangen, darunter einer Förderschule. Das pädagogische Konzept ist anspruchsvoll: Inklusion und jahrgangsübergreifende Klassen.

Die Bibliothek wird von Frau Gildein betreut. Sie macht das neben ihrer Arbeit als Förderschullehrerin, befristet unterstützt von Bibliothekshelfern. In den Pausen sind das Lesesofa, die Lesehöhle und die Hochetage gut besucht und es wird lebhaft ausgeliehen. Man wagt es sich nicht vorzustellen, dass in dieser Schule, die in zwei Gründerzeit-Backstein-Gebäuden residiert, eine Schulbibliothek fehlen würde. Frau Gildein wird von der Schulleitung sehr unterstützt.

Caroline und Louma sind vor allem an der unterrichtlichen Nutzung der Schulbibliotheken interessiert. Sie führen jedes Jahr mit Klassen Projekte durch. Für sie ist die Schulbibliothek eine medienpädagogische Werkstatt. So entstand u. a. eine Videoproduktion mit Fotos und Gedichten zum Thema Liebe und Freundschaft oder eine Bearbeitung des Gilgamesch-Epos.

Sie versuchen, die Schüler/-innen zum Bücherlesen zu animieren. Das ist im Libanon noch schwieriger als in Berlin und Brandenburg. Obwohl Beirut einmal eine Stadt der Buchmesse war (Abgewandert nach Abu Dhabi) ist das Bücherlesen nicht selbstverständlich. Schule ist eine Institution mit vielen strikten Regeln. Es herrscht Ordnung und Disziplin. Eine Schulbibliothek, in der es lockerer und lebhafter zugeht, in der auch mit Musik gearbeitet wird, erfreut sich nicht immer des Wohlwollens der Schulleitung.

Caroline will mit ihrer literarischen und medienpädagogischen Arbeit einen Beitrag für die Entstehung einer libanesischen Zivilgesellschaft leisten. Dieses kleine Land hat eine Jahrtausende alte, faszinierende Geschichte. Es war von den Phöniziern besiedelt, gehörte zum römischen Reich, war unter arabischer Herrschaft, Teil des Osmanischen Reich, französisches Mandatsgebiet.  Der Libanon galt bis in die 60er Jahre als die Schweiz des Nahen Ostens. Die Bevölkerungsmehrheit war christlich.

Die heutige politische Situation wird bestimmt von mächtigen Interessensgruppen, den in Flüchtlingslagern lebenden Palästinensern, der vom Iran finanzierten Hisbollah, dem syrischen Diktator Assad und seinem Geheimdienst, christlichen Milizen. Die Christen erleiden schon immer Verfolgung. Ihr Rückzug aus dem Libanon hat sich beschleunigt. 16 Millionen Libanesen leben im Ausland, nur vier im Lande selbst.

Auch die Schüler sehen sich nur als Sunniten, Schiiten, Alawiten, Drusen, katholische oder protestantische Christen. Sie nehmen die anderen nicht als individuelle Menschen wahr, nur als Feinde, klagt Caroline. Es gelingt ihr, mit literarisch-musischen Projekten im Laufe eines Schuljahres das Klima in der Klasse zu beeinflussen und ziviles Denken zu fördern.

Die beiden Kolleginnen haben sich natürlich auch Berlin angesehen. Frau Weyrauch hatte zudem eine Führung durch die Brüder-Grimm-Bibliothek der Humboldt-Universität organisiert. Caroline und Louma sprechen neben Arabisch Englisch und Französisch. Jetzt können sie auch etwas Deutsch.

Ich danke den drei Gastgeberinnen herzlich für ihre Unterstützung. Den beiden Kolleginnen wünsche ich, dass sie mit vielen neuen Ideen im Gepäck erfolgreich weiter arbeiten können.

 

 

  • Wer mehr über die Beiruter Schulbibliothek wissen will.