DDR-Aufarbeitung: Was können Schulbibliotheken dazu beitragen?

Als wir für den 4. Schulbibliothekstag die Seminare und Workshops zusammenstellten, wagte ich, dieses Thema vorzuschlagen. Ich bin davon überzeugt, dass eine gute Schulbibliothek Medien dazu erschließen muss: Belletristik und Sachbücher, CDs und DVDs, Internetadressen. Als Ergänzung zu den umfangreichen Medien- und Materialkoffern, die man beim LISUM oder anderswo ordern kann. Medien, die aufgeschlossene Schüler/-innen beim Stöbern finden oder für Referate benutzen können oder Lehrkräfte im Unterricht und sich nicht erst lange auf die Suche begeben zu müssen.

Jeder aufmerksame Zeitungleser hätte mir vorausgesagt, dass das schiefgeht. Berlin und Brandenburg haben sicherheitshalber an der Geschichtswissenumfrage von Prof. Klaus Schroeder nicht teilgenommen.

Das B-Seminar habe ich also abgesagt, das A-Seminar ist im niedrigen einstelligen Bereich. Der Referent, Dr. Hüttmann, Leiter der schulischen Bildung der Stiftung Aufarbeitung, kommt, auf meine Bitte hin, auf jeden Fall. Er ist in der Lage sowohl für den Grundschul- als auch den Sekundarstufenbereich Erfahrungen mit den Medien der Stiftung zu berichten und bringt Medien mit.

Ich würde mich freuen, wenn vielleicht doch noch ein paar Interessenten mehr die Gelegenheit nutzen, aus erster Hand Anregungen zu bekommen.

One Reply to “DDR-Aufarbeitung: Was können Schulbibliotheken dazu beitragen?”

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    vielleicht sind folgende Fakten für Sie interessant und vielleicht können Sie mir sogar helfen.
    Ich bin Rentner, arbeite aber als Zeitzeuge in Schulen. Dies kann ich durch eine Vielzahl von Zeitungsartikeln nachweisen. Mein Projekt (seit 2008) an Schulen „Mit historischem Humor ohne Belehrung zur politischen Bildung“. An Universitäten biete ich neuerdings eine „Freie Übung“ zum Thema „Der politische Wahnwitz sozialistischer Mach(t)art und das verklärte DDR-Bild“ an. Die politische Bildung (inbesondere auch über die DDR) ist bei Schülern und Studenten gegenwärtig mehr als schlecht. Beispielsweise sind jungen Akademikern die Notwendigkeiten auf dem Arbeitsmarkt gleichgültig. Politisch total ungebildet haben sich eine „Doktorin des kubanischen Tanzliedes“ und ein diplomierter Namensforscher, beide Absolventen der Leipziger Uni, über ihre Arbeitslosigkeit in der LVZ unter der Überschrift beklagt „Deutschland gibt mir keine Chance“!
    Ich habe mein Zeitzeugenangebot auf Unis erweitert und aus Jena, Dresden, Chemnitz, Hannover bereits wohlwollende Rückantworten erhalten. Die Chefpolitologin der Uni Leipzig antwortete allerdings kurz und bündig: „Kein Bedarf für deratige Veranstaltung.“
    Grundlage für meine Zeitzeugenarbeit ist mein Buch „Der Schießbefehl am 9. Oktober 1989“ mit dem Untertitel „…mit Dokumenten des Schreckens und vielen Erlebnissen aus der DDR“ (150 Seiten, A5). Auch die 7 Grundwidersprüche des Sozialismus werden behandelt:

    1. Obwohl die DDR Vollbeschäftigung hatte, arbeitete nur die Hälfte.

    2. Obwohl nur die Hälfte arbeitete, fehlten überall Arbeitskräfte.

    3. Obwohl überall Arbeitskräfte fehlten, wurden alle Pläne übererfüllt.

    4. Obwohl alle Pläne übererfüllt wurden, gab es nichts zu kaufen.

    5. Obwohl es nichts zu kaufen gab, hatten alle fast alles, was sie brauchten.

    6. Obwohl alle fast alles hatten, was sie brauchten, meckerten alle.

    7. Obwohl alle meckerten, wählten 99,9% die Kandidaten der Nationalen Front und damit die SED.

    Ich würde mich freuen, wenn Sie sich für meine Arbeit interessieren könnten. Trotz bester Rezension in der ZS „Gerbergasse 18“, geschrieben von einem Professor der Sprachwissenschaften, ist mein Buch auf dem Markt chancenlos. (Nobody-Autor + politische Literatur = chancenlos!) Ich verschenke das Buch zwecks Nachhaltigkeit meiner Gespräche an Schulen und Bibliotheken und muss alles von meiner bescheidenen (aber ausreichenden) Rente finanzieren. Entweder ich finde bald einen Sponsor zwecks bescheidenem Druckkostenzuschlag oder ich muss meine gesellschaftspolitische Arbeit zur Stabilisierung unserer Demokratie einstellen.
    Zurück zur Verschlechterung der Lage der Jugendlichen: Ich habe mein Zeitzeugenangebot auch inhaltlich „aufgerüstet“. Mit dem herrlichen Farbbild „Hosianna!“ wollte ich den Lehrern bereits im Vorfeld zeigen, dass ich vor den Schülern nicht als Langweiler auftrete. Das Bild wurde als Eulenspiegel-Karrikatur 1995 anlässlich des 46. Jahrestages der DDR veröffentlicht, quasi als: So wäre der Tag gefeiert worden und so würde er noch heute gefeiert, wenn es die DDR noch gäbe! Auf dem Bild stellt der Teufel an „Gott-Marx“ die Grundsatzfrage der deutschen Geschichte, nämlich: Wie die das bloß immer wieder hinkriegen? Während die Schüler dazu sehr interessiert Fragen stellen (am Ende reichlich applaudieren), fürchten die Lehrer dieses Bild wie der Teufel das Weihwasser. Ich musste dieses herrliche Bild wieder aus meinen Angebotsunterlagen herausnehmen, weil damit das ansonsten schwache Interesse der Lehrer, die mich in die Schulen hinein lassen oder nicht, auf Null zurückgeschrumpft war.
    Haben Sie eine Idee, wie ich mein Buch, das die Schüler durchaus interessiert, „in die Schulen hinein bringen kann“?
    Mit freundlichen Grüßen
    R. Mey

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