Die Geschichte der Schulbibliothek am Archenhold-Gymnasium …

… in Berlin Treptow-Köpenick von Dezember 2008 bis heute aus ganz persönlicher Sicht von Monika Grosche

Frau Monika Grosche hat Slawistik studiert, an der Uni gelehrt und betreut inzwischen die Schulbibliothek des Archenhold-Gymnasiums. Sie arbeitet mit Herz und Elan, hilft SchülerInnen bei der Recherche und bei der Vorbereitung auf Prüfungen. Die Geschichte der Schulbibliothek hat sie in einem Artikel dargelegt:

Diese Geschichte ist m. E. in mehrfacher Hinsicht exemplarisch. Und so hat sie angefangen: Die Schulkonferenz des Gymnasiums beschloss im Dezember 2008, mit Unterstützung der SBA Treptow-Köpenick sowie einer AGH-Maßnahme des zuständigen Jobcenters, eine Schulbibliothek aufzubauen. Sie wurde in zwei übereinander liegenden, mit einer Treppe verbundenen Räumen mit durchgehender Glasfront untergebracht. Der obere Raum mit Trapeztischen und Tafeln ist ein Seminarraum ohne Medien geblieben, was sich aber demnächst ändern soll. Der untere Raum wurde mit Regalen einer aufgelösten Stadtteilbibliothek bestückt; Schüler und Lehrer gingen mit Begeisterung daran, einen Grundbestand an Büchern zusammenzutragen.

Nach Abklingen der anfänglichen Euphorie verfiel die Schulbibliothek in einen Dornröschenschlaf. Als ich sie im Oktober 2010 übernahm, war ihre Existenz völlig in Vergessenheit geraten. Ich traf auf eine misstrauische Schulleitung, ein reserviertes Lehrerkollegium und desinteressierte Schüler. Die wenigen Arbeitsplätze blieben ungenutzt wie die gesamte Bibliothek auch. Ich dachte nur – Hilfe, was jetzt???

Heute ergibt sich ein völlig anderes Bild. Die vielfältigen Anstrengungen, die ich unternahm und die längst nicht alle von Erfolg gekrönt waren, mag ich an dieser Stelle gar nicht aufzählen. Eines habe ich jedenfalls gelernt: Es ist ein riesiger Unterschied zwischen der bloßen Existenz einer Schulbibliothek und ihrem Funktionieren, ihrer Akzeptanz im Schulgefüge. Dieser Schritt gelingt nur durch kontinuierlichen persönlichen Einsatz, dessen Fehlen die Schüler blitzschnell registrieren.

Das Konzept einer erfolgreichen, d.h. gut besuchten und genutzten Schulbibliothek ergibt sich u. a. aus dem Zusammenspiel von zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten und Medien, den Vorstellungen und Bedürfnissen der Schule sowie der Bereitschaft des Personals, also in der Regel des sog. „Schulbibliothekshelfers“ (wobei diese Bezeichnung der zu erbringenden Leistung in keiner Weise gerecht wird). Die bitter notwendige Kontinuität lässt sich auch nicht auf 6 Monate MAE, 2 Jahre AGH-Vertrag, 1-2 Jahre BFD oder enorme Zahlen von Freiwilligenstunden beschränken. Ich möchte nicht falsch verstanden werden, mich begeistert jedes Engagement für Schulbibliotheken, weil ich sie für außerordentlich sinnvoll gerade vor dem Hintergrund unseres sicher nicht perfekten gegenwärtigen Bildungssystems erachte. Allerdings könnte die Anerkennung und Honorierung von „oben“ etwas stetiger und wohlwollender sein, um es vorsichtig zu formulieren. Als besonders herzlos und wenig „nachhaltig“ empfinde ich die Neubesetzung der befristeten Stellen ohne großes Federlesen nach Ablauf der Zeit mit neuen Bibliothekshelfern zu immer schlechteren Bedingungen. Die Stellungnahmen, Rechtfertigungen und Versprechungen  von „oben“ zum Thema hinterlassen bei mir meist nur ein schales Gefühl.

Zurück zum Konzept der Schulbibliothek am Archenhold-Gymnasium. Die Entscheidung fiel in Richtung Ausbau des Präsenzbestandes an unterrichtsbegleitenden Sach- und Fachbüchern und der Hilfestellung zu Referaten, Vorträgen, den Prüfungen in besonderer Form zum MSA sowie der 5. Prüfungskomponente im Abitur. Es ist also in erster Linie eine Lern- und Arbeitsbibliothek entstanden,  die Ausleihe kommt an zweiter Stelle. Die Themen reichen vom Goldenen Schnitt in der Mathematik über den Einsatz von Linearmotoren und den Ursachen des Korallensterbens bis hin zum Vergleich zwischen Faust und Urfaust; von der Heilungschance bei einer HIV-Infektion über Transsexualität und Sterbehilfe bis hin zu Pasta-Rezepten, die ins Italienische übertragen werden sollen. Jeder Tag stellt mich vor neue Herausforderungen und das Gefühl, dass der „Schubs“ in Richtung passendes Buch bzw. Internetseite zu einer guten Note führen kann, ist einfach unbezahlbar.

Den Weg würde ich nicht als einfach bezeichnen; die Bibliotheksangebote der  Schulleitung, den Lehrern, den Eltern, der GSV, jeder Klasse und jedem Semester zu unterbreiten, hat mich ordentlich Überwindung gekostet.  Ich bin dankbar, dass ich mich auf den AGSBB-Seiten und –Veranstaltungen mit Gleichgesinnten austauschen kann, die vor ähnlichen Problemen stehen und häufig wertvolle Tipps erhalte. Falls ich selbst einen Tipp habe – wie zum Besorgen von kostenlosen Tageszeitungen in größerer Stückzahl – dann vermittle ich ihn  auf diesem Weg weiter (Achtung, die Berliner Zeitung erwartet die Meldung noch vor den Sommerferien!). Der Brockhausverlag lieferte uns am 31.5.  die große Bildungsbox . Die Stiftung Lesen hat das Gymnasium 4 Wochen lang mit einer riesigen Anzahl verschiedenster Zeitschriften förmlich überschüttet, etliche Lehrer konnten sich sogar über aktuelle Zeitschriften im Klassensatz freuen.

Zum Schluss möchte ich ganz kurz ein Projekt beschreiben, das zeigt, wie kreativ Zeitungen und Zeitschriften im Unterricht genutzt werden können. Schüler der SekII beschäftigten sich im Deutsch-Unterricht mit den für die Presse typischen Textformen Nachricht/Kommentar/Glosse/Reportage/Interview usw. und erstellten im Anschluss selbst entsprechende Texte. Ein übergreifendes Thema wurde vorab in einer Schülerbefragung ermittelt. So entstand eine Ausgabe der hauseigenen Zeitung „Die Unbunte“. Das passende Layout wurde im parallel laufenden Kunstunterricht entworfen.

Monika Grosche

Schulbibliothek Archenhold-Gymnasium

 

5 Replies to “Die Geschichte der Schulbibliothek am Archenhold-Gymnasium …”

  1. Danke nach Rangsdorf für den Klartext. Es ist schon seltsam mit den Schulbibliotheken. Wenn sie nach viel persönlichem Einsatz denn funktionieren, finden es alle wunderbar, aber kosten darf es nichts. Damit möchte ich nicht „mein“ Gymnasium ansprechen, das tut für die Bibliothek und mich, was es kann. Manchmal komme ich mir vor wie in einer Zwangsjacke. Wenn man eine SB zum „Laufen“ bringen will, dann muss man Herz und Verstand investieren und kann diese sinnvolle Arbeit schlecht wieder loslassen. Der finanzielle Notstand und die manchmal nur dämlich zu nennenden Äußerungen von Nicht-Bescheidwissern der oberen Etagen haben mich schon des Öfteren darüber nachdenken lassen, einfach alles hinzuwerfen.
    Ich habe übrigens eine volle Arbeitswoche für HARTZ IV und meine, das Wort „unwürdig“ sollten sich andere anheften.
    Grüße nach Rangsdorf!

  2. Da kommt mir vieles bekannt vor…Vor 6 1/2 Jahren sah die Bibliothek des Fontane-Gymnasiums Rangsdorf aus wie „Willy Schwabes Rumpelkammer“.
    Ein halbes Jahr lang hatte ich mit dem Katalogisieren der ca. 4.500 Bücher und Zeitschriften zu tun. Dann wurde die Bibo offiziell eingeweiht. Richtig zum „laufen“ kam die Bibo durch einen Umbau: der an sie anschließende Raum wurde mit neuen PCs versehen, die an die Fenterfronten rückten. In die Mitte des Raumes kamen 2 große sechseckige Arbeitstische. Das war im Herbst 2008. Von da an war immer Betrieb in der Bibo. Sie wurde und wird in Freistunden und bei Ausfall geneutzt, aber auch von Lehrern mit ihren Klassen. Dabei werden die Klassen häufig geteilt: eine Hälfte bereitet sich im Klassenzimmer vor, die andere recherchiert an den PCs.
    Des öfteren wird es eng, die über 30 Stühlle reichen nicht aus, wenn z.B. die Abiturienten an ihren facharbeiten sitzen und LehrerInnen mit ihren Schülern dazu kommen..Einmal hatte ich 3 Klassen gleichzeitig in der Bibo! Wenn alle arbeiten wollen, dann geht sogar das. Auch wenn ich mir dabei wie der Dompteur einer gemischten Raubtiergruppe vorkam.
    Mit dem Kollegium habe ich keine Probleme, ganz im Gegenteil, die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Bei den Kids stehe ich im Ruf ALLES zu wissen. Nun, entweder weiß ich auf eine Frage die Antwort (meistens), oder ich weiß wo ich suchen muß oder ich ich weiß w i e ich suchen muß. Das versuche ich auch den Schülern zu vermitteln.
    Die Bezahlung… zuerst als 1-Euro-Jobber, das wurde verlängert, dann noch einmal verlängert…dann gab es eine Förderung + FAM;I-Nachqualifizierung durch das Jobcenter…auch danach war mein Gehalt (bei 38 Wochenstunden) weit von jedem Tarif entfernt… Ich habe ein paar Tausend Bücher gelesen, selbst kultur- und technikgeschichtliche Bücher und Aufsätze geschrieben, kenne einen erheblichen Teil der Weltliteratur (von Aischylos bis Zola), bringe z.B. die klassischen Autoren der Antike von zu Hause mit, interessiere mich „nebenbei“ auch für Mathematik, Physik und Astronomie..
    Wenn mich die Schüler was zur Geschichte fragen, erhalten sie sofort eine Antwort. Spezialstrecke: Adelsgeschichte und Widerstand im „Dritten Reich“. da bin ich Experte. – Und all das für einen Hungerlohn der knapp über 1000 Euro im Monat liegt. – Ach so: wenn Lehrer krank sind, was des öfteren vorkommt (gefühlter Alterdurchschnitt: 97 Jahre!), dann „darf“ ich mich selbstverständlich um die verwaisten Klassen kümmern…bin also de facto Vertretungslehrer zum Nulltarif…
    Da kommt Freude auf!
    Seit einem knappen halben Jahr „hängt“ meine Stelle wieder mal..alle paar Wochen bekomme ich Versprechungen und neue Ausflüchte zu hören..
    Das Schönste war: machen Sie es doch für HartzIV!!
    Wen interessiert denn schon, das man davon nicht leben kann..abgesehen davon wie unwürdig das ist..
    Matthias Woeller

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