Ein Paradies für Bücherwürmer und alle, die es werden wollen

Die Schulbibliothek der Bornholmer Grundschule erhielt 200 € vom Berliner Büchertisch und eine riesige Kiste voller Bücher. Hintergrund ist die Teilnahme der Schulbibliothek am Wettbewerb „Schulbibliothek des Jahres“ der AGSBB. Hier nun ein Bericht der Bibliothek über ihre Entstehung und ihre Aktivitäten.

Daniela Gotsch im März 2012:

Ein Tag im Januar 2012 in unserer Schulbibliothek der Bornholmer Grundschule im Prenzlauer Berg: Es klingelt zur Pause und es dauert keine Minute, schon sind die ersten begeisterten Leser in der Bibliothek. In der sehr gemütlichen Leseecke mit Couchgarnitur versuchen sie sich einen Platz zu ergattern, um entspannt in den Büchern und Zeitschriften zu schmökern. Momentan sind besonders die Geschichten in „Gregs Tagebuch Teil I – VI“; „Guinness World Records 2005 – 2010“; Gruselgeschichten von R. L. Stine begehrt; nicht zu vergessen die Fantasybücher von Harry Potter und die Trilogie „Herr der Ringe“. Aber auch anspruchsvoll und aufwändig gestaltete Sachbücher, wie „Das schwarze Buch der Farben“, ein Buch, das uns in die Welt der Menschen, die nicht sehen können, auf literarisch und künstlerische Art und Weise einführen möchte, werden gern gelesen.

Schon um 8.00 Uhr öffnet die Bibliothek ihre Pforten und bietet unter der Leitung der Mitarbeiterin Frau Kirchhoff ein erstklassiges Leseförderungsprojekt an. Das Ziel ist es, leseschwache Kinder aus den Lernanfängergruppen (1. und 2. Klasse) in die Welt der Bücher und des Lesens einzuführen. Der Erfolg ist deutlich sichtbar: Viele Lernanfänger konnten bereits als begeisterte Leser und Nutzer der Schulbibliothek gewonnen werden. Weiterhin finden zahlreiche Veranstaltungen, wie Buchvorstellungen, interkulturelle Projekte, Musik- und Kunstprojekte sowie Vorlesewettbewerbe statt. Die preisgekrönte Märchenerzählerin Nina M. Korn ist ebenfalls ein oft- und gern gesehener Gast. Mit ihren Erzählungen entführt sie uns auf ganz besondere Art und Weise in die Welt von Feen, Zauberern, Recken und Kalifen, die von allen (Kindern, Lehrern, Erziehern und Eltern) begeistert angenommen werden.

Seit Oktober gibt es unter der Leitung von Frau Kirchhoff und Herrn Fabiunke die Bibliotheksarbeitsgemeinschaft mit dem verheißungsvollen Namen „Die Bücherwürmer“. Mitglied können die Schüler ab der 4. Klasse werden. Erkennungsmerkmal ist ein T-Shirt mit dazugehörigem Logo (passend zum Namen ein Bücherwurm). Einmal in der Woche, jeweils abwechselnd Dienstags und Donnerstags, findet ein Treffen statt, bei dem aktuelle Ereignisse besprochen werden, wie Organisation der Bibliotheksarbeit, Buchvorstellungen und die Einteilung von jeweils zwei Schülern für die Aufsicht in den Pausen in der Bibliothek. Als besonderes Highlight findet einmal im Monat eine Filmvorführung (Literaturverfilmung) statt.

Ja, wie fing es denn nun eigentlich an, denn so etwas kann nicht von heute auf morgen entstehen: Im September 2005 begann der Bibliotheksaufbau in der Bornholmer Grundschule, die sich in der Ibsenstraße im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg befindet. Initiator dieses Projektes ist der GFAJ e. V., ein Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Bildung in den Vordergrund seiner Arbeit zu stellen.

Im Rahmen des MAE-Projektes „Mobiles Team – Schul- und Schülerbibliothek“ wurde es dann von den Mitarbeitern Frau Gotsch, Frau Mrugalla und Herrn Dewey umgesetzt. Am Anfang bot sich ein eher trostloser Anblick des Raumes, in dem die Bibliothek entstehen sollte. Da hieß es erst einmal Entrümpeln und Renovieren. Der Verein stellte zwanzig Bücherkisten zur Verfügung, die gesichtet, kontrolliert und eingearbeitet werden mussten. Eine Literaturdatenbank wurde ebenfalls vom GFAJ e. V. gesponsert. Es wurde eine gemütliche Couchgarnitur besorgt, und da die Wand einfarbig eher langweilig aussah, entschieden wir, sie mit einem originellen Wandbild vom Künstler Herrn Brettschneider verschönern zu lassen. Es zeigt Szenen des Berliner Alltagslebens und ist immer wieder Gegenstand für Bewunderung und Diskussionen seitens der Schüler. Einige Kinder waren im Rahmen eines Kunstprojektes an der Gestaltung und Vollendung des Bildes beteiligt. Unsere erste Veranstaltung hatte es dann auch in Form eines Berlinquiz zum Inhalt, welches von Frau Kirchhoff durchgeführt wurde.

Natürlich geht es in einer Bibliothek nicht ohne Leseausweise, Rückgabe- und Mahnzettel, die angefertigt werden mussten. Die Öffnungszeiten wurden damals von 10.00 – 16.00 festgelegt. Heute ist die Bibliothek von 8.00 – 16.00 geöffnet. Zwei Wochen betragen die Ausleihfristen. Eine einmalige Verlängerung um zwei weitere Wochen ist möglich. Nun fehlte noch ein passender Name. Wir entschieden uns für die „Bücherinsel“, mit einem dazu gehörigen Logo.

Am 27. Februar 2006 war es dann endlich soweit. Es fand die Eröffnung unter der Anwesenheit vieler Gäste, wie der Projektleiterin des GFAJ e. V., Frau Dr. Jeskowa, die Mitarbeiter des Aufbaus, Schüler, Lehrer und Eltern statt. Wir führten eine Quizveranstaltung und eine Bibliothekseinführung durch, die mit einer regen Beteiligung der einzelnen Schulklassen einherging. Seitdem wird sie gut besucht und findet bei den Kindern, Lehrern, Erziehern und Eltern großen Anklang.

Eine hervorragende und nicht mehr wegzudenkende Unterstützung erhält sie auch von der Schulleitung und vom Förderverein, insbesondere durch finanzielle Mittel, mit der wir viele anspruchsvolle Veranstaltungen durchführen konnten. Höhepunkt war der vom Förderverein organisierte Sponsorenlauf. Die Kinder bekamen pro Runde, die sie liefen, Geld. Alle waren hochmotiviert, dass sich manche Eltern wunderten, warum ihr Kind auf einmal so sportlich ist, und sehr viele Runden lief. Es kamen sage und schreibe 2000 Euro zusammen, von denen wir dann viele neue und spannende Bücher kaufen konnten.

Nun gibt es dieses wunderbare Kleinod schon das sechste Jahr, und es fand eine stetige Weiterentwicklung statt. Davon zeugen auch die sich an der Wand befindenden Fotos und Zeichnungen von den zahlreichen Veranstaltungen und Projekten, die hier stattgefunden haben.

Im Februar 2011 nahm unsere Bibliothek am „Wettbewerb der Berliner Schulbibliotheken“ teil. Leider blieb der erhoffte Gesamtsieg aus. Doch umso größer war die Freude, als sich der Berliner Büchertisch bei uns meldete und uns mitteilte, dass wir ausgewählt wurden, einen Preis zu erhalten. Dieser Preis beinhaltete eine prall gefüllte Bücherkiste sowie 200,- Euro.
Bei der Preisübergabe waren auch Mitglieder der AG Bücherwürmer und weitere kleine Leseratten anwesend.
Sofort wurden von ihnen die neuen Bücher begutachtet und auch sehr bald eingepflegt und einsortiert. Die 200,- Euro wurden für lang ersehnte (und nun erfüllte) Bücherwünsche verwendet.

Zum Ende möchte ich aber trotzdem noch einige, meines Erachtens sehr wichtige Kritikpunkte äußern: Leider schafft es Berlin nicht, für so eine wichtige Einrichtungen Gelder zur Verfügung zu stellen, um die Schulbibliothek personell besetzen zu können. Eine Einstellung von kompetenten MAE-Kräften, die hier eine gute Arbeit leisten, ist leider nicht möglich. So kann die Schulbibliothek seit 2005 bis heute nur durch Unterstützung des mobilen Teams „Schulbibliothek – Buchausleihe und Lesetreff“ des GFAJ e.V., eine durch das Jobcenter geförderte Maßnahme, betrieben werden.
Ich wünsche mir trotz der Schwierigkeiten, dass diese Arbeit weitergeführt wird und dass es in Berlin irgendwann eine finanzielle Unterstützung für Schulbibliotheken gibt. Denn es sind vor allem die sogenannten „bildungsfernen“ Kinder, die von solch einer Einrichtung am meisten profitieren, sei es bei der Unterstützung von Lern- und Hausaufgaben, sowie an die Heranführung an Bücher und an das Lesen im Besonderen.