SBA Treptow-Köpenick besuchte Schulbibliotheken in Schweden

Aktualisierung: Weitere Fotos und eine Präsentation finden Sie inzwischen hier.

Auf Einladung von Astrid Deppert, Schulbibliothekarin in Lund, besuchten Simone Frübing, Koordinatorin der Schulbibliothekarischen Arbeit in Treptow-Köpenick und Aleksandra Smuda, Schulbibliothekarin der Schmöckwitzer Inselschule vom 6.-11. Oktober 2011 Schulbibliotheken in Lund und Malmö.

Anliegen der Reise war die Suche nach realistischen Finanzierungskonzepten für Schulbibliotheken, die Integration in den Unterricht und interessante Arbeitskonzepte. Bewusst wurde die private Übernachtung gewählt, um möglichst viel Zeit zur Vorbereitung und Nachbereitung unserer Bibliotheksbesuche zu haben. Dabei kamen die Schulsysteme von Schweden, Deutschland und Polen auf den Prüfstand ebenso die Integration als Ausländer im „selbstgewählten Land“, wo wir leben und arbeiten wollen.

Die Schulbibliothek in Malmö, Möllevangsskolan, Vorschule-9. Klasse, die Bibliothekarin Elisabet arbeitet hier seit über 10 Jahren, wurde 2010 „Schulbibliothekarin des Jahres“. Die Schulbibliothek ist ein lebender Bestandteil der Schule, die Kinder sind durch Projekte an der Ausgestaltung der Bibliothek beteiligt.

 

Astrid Deppert besuchte mehrfach Schulbibliotheken in Treptow-Köpenick und war Gast auf dem 3. Berlin-Brandenburger Schulbibliothekstag. Die Verständigung erfolgte bewusst durch Co-Übersetzung aus dem Schwedischen ins Deutsche, um Sprachverluste aus dem Englischen zu vermeiden und direkt nachfragen zu können.

Wir sahen 6 Schulbibliotheken und die Stadtbibliotheken in Malmö und Lund. Wir wurden von Mitarbeitern des Pädagogischen Instituts in Malmö empfangen, die uns den Schulbibliotheksverbund von 70 Schulen in Malmö vorstellten und über geförderte Projekte berichteten. Immer wieder stand die Ausbildung des Schulbibliothekars im Focus. Beeindruckend waren die Schulbibliotheken und die Gespräche mit den Mitarbeitern, die zu Recht als „Schulbibliothekare des Jahres 2009“ in Lund geehrt wurden.

Als Nachtrag erreichte uns die Mitteilung, dass die fünf Schulbibliotheken vom Schulamt Norra Fäladen in Lund „Schulbibliothek des Jahres 2011“ wurden. In der Begründung heißt es:

„Die Schulbibliotheken zeichnen sich durch eine pädagogische Arbeitsweise aus, die von einer gut entwickelten Zusammenarbeit gekennzeichnet ist, sowohl innerhalb der eigenen Bibliotheksorganisation als auch mit den Öffentlichen Bibliotheken. Die Schulbibliotheken haben einen gemeinsamen Arbeitsplan mit konkreten und klaren Zielen, wobei Leseförderung und Informationsrecherche während der gesamten Schulzeit betrieben werden. Das Engagement der Schulleitung ist eine bedeutende Unterstützung für die langsichtige Arbeit bei der Entwicklung der Schulbibliotheken. Die Bibliothekarinnen sind ein selbstverständlicher Teil des Arbeitsteams der Schulen und spielen eine zentrale Rolle im Lernprozess der Schüler/innen. Das Zusammenarbeitsmodell von Norra Fäladen kann Inspiration sein für andere, wenn nun das Schulgesetz fordert, dass alle Schüler/innen Zugang zu einer Schulbibliothek haben sollen.“

Diese Vision vertreten wir auch in Treptow-Köpenick mit der Vernetzung von Arbeits- und Lernbibliotheken in jeder Schule, wenn die Schulen dies fachlich begleitet möchten.

Auffallend waren die unterschiedliche Unterstützung der Schulbibliotheken und die Akzeptanz innerhalb der Schulen. Wir brauchen engagierte Schulbibliothekare, die die Schüler erreichen und in das Konzept einbeziehen. Die Stellen von Schulbibliothekaren werden in Schweden durch die Schulen finanziert. Man erhält von der Kommune Schulgeld pro Schüler. Eine gute Schule lockt mehr Schüler an. Das Personal der Schule wird aus dem Schulgeld finanziert.

Wir haben eine tolle Ausstattung der Schulbibliotheken gesehen und trotzdem haben nicht alle Konzepte in Schweden überzeugen können, weil ein schwieriges Umfeld erst erschlossen werden muss. Gute Ansätze sind vorhanden, aber nicht überall ist die Unterstützung wie anfangs beschrieben. Am 12./13. Oktober 2011 leitete Frau Frübing für Mitarbeiter von Schulbibliotheken aus Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg und Treptow-Köpenick einen Workshop mit 25 Teilnehmern, organisiert für die AGSBB. Unser Fazit, Erfahrungsaustausch und gegenseitige Besuche sind ein wesentlicher Bestandteil für gute Schulbibliotheksarbeit und die Bereitschaft, Erfahrungen weiterzugeben und zu diskutieren, kam gut bei allen Teilnehmern an. Wir haben tolle Schulbibliotheken auch in Berlin und keine Stellen für Schulbibliothekare. Das muss sich ändern. Unsere Kinder haben ein Recht auf gute Ausbildung und wir leisten sie bereits an vielen Schulen durch engagierte Mitarbeiter aus anderen Berufsgruppen an vielen Orten in Berlin und Brandenburg.

Wir bleiben mit den Kollegen in Schweden in Kontakt und die nächste geplante Reise der SBA Treptow-Köpenick geht nach Polen, in die Heimat von Aleksandra Smuda, unsere Kollegin Astrid aus Schweden wird uns ganz sicher begleiten. Wir freuen uns auf die Fortsetzung unserer Bibliotheksreise und den intensiven Erfahrungsaustausch.

Nachfragen können Sie gern bei der SBA Treptow-Köpenick per Mail über fruebing.sba-tk@gmx.de.

Zusatzinformation 1: Schulsystem in Schweden

In Schweden gehen fast 90% der 5- und 6jährigen Kinder in die Vorschule; seit Ende der 90er Jahre müssen die Kommunen für 6jährige einen Schulplatz bereithalten, wenn die Eltern dies wünschen. Für Kinder zwischen 7 und 16 Jahren besteht Schulpflicht. Auf 100 Schüler kommen im Durchschnitt 8,3 Lehrer.

Der Lehrplan wird auf nationaler Ebene durch den Staat festgelegt und kontrolliert. Die organisatorische Verantwortung für die Grundschulen und für die Umsetzung des Lehrplanes tragen die Kommunen.

Jede Kommune legt ein jährliches Schulgeld fest, es ist abhängig vom Alter der Schüler und von sozioökonomischen Kriterien. Pro Schüler der 7.-9. Klasse werden etwa 50.000 und 75.000 kr (ca. 5.500 – 8.000 €) bereitgestellt. Der überwiegende Teil dieser Summe wird für den Unterricht (Lehrerlöhne) verwendet, aber auch das übrige Schulpersonal (Leitung, Verwaltung, Schulschwester/-arzt, Sozialbetreuer, Schulbibliothekar, Hausmeister) werden davon finanziert sowie Lehrmittel und Schulessen. Die Miete für Räumlichkeiten wird aus einem anderen Topf bezahlt, ebenso die Kosten für den Schulbus. Die Eltern können frei wählen, welche Grundschule ihre Kinder besuchen. Ziel des Schulgeldes pro Schüler ist es daher, die Qualität der Schule verbessern – eine gute Schule ist attraktiv und lockt mehr Schüler an, das resultiert in mehr Schulgeld und in noch besseren Unterricht. In der Praxis und in der Politik ist das Modell jedoch umstritten.

Zusatzinformation 2: Grundschulen in Lund

Ca. 45 Grundschulen, d.h. von der Vorschulklasse bis 9. Klasse, z.T. Trennung in unterschiedliche Schuleinheiten: Vorschulklasse-2. Klasse, 3.-5. Klasse, Vorschule – 6. Klasse, Vorschule – 9. Klasse, 6.-9. Klasse. Alle kommunalen Schulen (Grundschulen und Gymnasien) haben eine Bibliothek, die Betreuung erfolgt entweder durch ausgebildete Bibliothekare (oft ohne pädagogische Ausbildung) oder Lehrerbibliothekare. Der Medienetat beträgt zwischen 100 und 200 kr pro Schüler, ca. 12-22 €. Alle Schulbibliotheken haben einen vernetzten Katalog, an den Schulen werden nur noch die Exemplare registriert. Da die Bibliotheksbücher allerdings von der jeweiligen Schule angeschafft werden, ist die Ausleihe nach außerhalb, d.h. an andere Schulen, nur begrenzt. „Schafft euch doch selbst diese Bücher“ an ist leider eine gängige Einstellung. Auch Lehrbücher sind oftmals bereits im Katalog erfasst. Nicht alle Mitarbeiter arbeiten zusammen, unterstützen sich, die engagierten schon!

Es gibt eine Unterscheidung in kommunale Schulen und Schulen freier Trägerschaft – Elternkooperativen, konfessionelle, pädagogische Alternativen (Montessori, Waldorf) und Aktiengesellschaften.

Die Stadtbibliothek in Lund hatte am Sonntag von 13-17 Uhr (Sept.-April) geöffnet und war gut besucht. Die Nutzung von Bibliotheken ist in Schweden ein Selbstverständnis wie in Dänemark und Südtirol. Kitagruppen besuchen die Schulbibliotheken und sind ins Bibliotheksnetz integriert.

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