Kleine Potsdamer Schulbibliotheksstatistik

Meine private Potsdamer Schulbibliotheksstatistik hat inzwischen amtliche Würden erlangt: Der Vorsitzende des Bildungssauschusses des Stadtparlaments bat um Überlassung. Dem kam ich gerne nach. Anscheinend gab es vorher im Schulverwaltungsamt und der Stadtbibliothek eine solche Statistik nicht.

Ich erwähne die Statistik aus zwei Gründen:

1. Um dazu zu ermuntern, im eigenen Umfeld zu zählen: Kommune, Bezirk, Landkreis.

Das Zählen von Schulbibliotheken in Deutschland scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Die nationale Arbeitsstelle Schulbibliotheken im ehemaligen Deutschen Bibliotheksinstitut hatte das in den 30 Jahren ihres Bestehens nicht auf die Reihe gekriegt. Bei den IGLU-Leseleistungstests hat man es den Schulleitern überlassen (Bundesdurchschnitt: 50% der Grundschulen haben eine), in Brandenburg hatten 40% der Schulleiter angegeben, sie hätten eine. Das Ministerium hat dankenswerter Weise nach Gesprächen mit der AG noch einmal um Meldung gebeten und bekam jetzt gerade einmal 80 Rückmeldungen. Die Wahrheit liegt wohl dazwischen.  Karsten Schuldt hat in Berlin anhand der Erwähnung auf den Schul-Homepages ausgezählt. Keine schlechte Idee.

In Hessen hat die Landesfachstelle für öffentliche Bibliotheken, die seit fünf Jahren federführend für Schulbibliotheken zuständig ist, jetzt eine spezielle Software zum Zählen angeschafft. In der deutschen Bibliotheksstatistik kamen sie nicht vor, obwohl die Schulbibliotheken ja von den bibliothekarischen Fachverbänden als Sonderform der öffentlichen Bibliothek betrachtet werden. Das soll sich zukünftig ändern.

Im IFLA World Report sind 800000 Schulbibliotheken in 112 Ländern erfasst. Germany: zero points!

2. Zum andern bestätigt sich wieder, dass mein Erfahrungswert, dass 40-50% aller Schulen eine Bibliothek haben, nicht ganz falsch ist.  Brandenburg ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

(Ich weiß, nicht alle Schulbibliotheken erfüllen bibliothekarische Standards, die übrigens für öffentliche Bibliotheken gemacht sind. Aber das Gejammer, dass nur 10% aller Schulen …, das ich seit 30 Jahren!!! höre, hat uns nicht weiter gebracht.

Dass 90% aller Schulen keine oder keine bibliotheksfachlich anerkannte Bibliothek besitzen, hat die Bildungspolitik nicht weiter gestört. Und dass zuletzt manche Bundesländer bessere PISA-Werte in Lesekompetenz haben, ohne für ordentliche Schulbibliotheken mehr auszugeben, sollte Anlass sein, platte Beschwörungsformeln zu hinterfragen.

Ich versuche anders herum zu argumentieren:

Die Schulbibliotheksidee ist so gut, dass nahezu die Hälfte aller Schulen auf diesem Gebiet aktiv ist. Aber Bildungspolitik und Schulverwaltung drücken sich davor, überlassen sie weitgehend engagierten Eltern und Lehrkräften.

Die „Entscheider/-innen“ greifen dankbar Empfehlungen der Bertelsmann-Stiftung auf, nicht in Schulbibliotheken zu investieren, „vor allem, wenn eine öffentliche Bibliothek in der Nähe ist“. )

Hier also Potsdam:

Öffentliche Schulen

35

Schulbibliotheken

17

%

49

Privatschulen

13

5 39
Gesamt

48

(ohne Berufsschulen)

22 46

Ich füge hinzu: Es gibt beim Thema Schulbibliotheken Wichtigeres als eine Schulbibliotheksstatistik.