Das Herz der Schule: Berichte aus Südtiroler Schulbibliotheken

Es gab gleich zwei Präsentationen zur Südtirolfahrt von Mitarbeiterinnen der SBA Treptow-Köpenick. Schließlich hatte man 17 Bibliotheken in 5 Tagen „abgearbeitet“. Zu keiner Zeit aber wurde es für die Zuhörer/innen langweilig und ermüdend.

Frau Kloß und Frau Nachtweide setzten unterschiedliche Akzente, sogar wenn sie über dieselbe Schulbibliothek berichteten. Beide arbeiteten, unterstützt von Fotos und kurzen Texten, in ihren Vorträgen die wesentlichen Merkmale des Südtiroler Schulbibliothekswesens heraus.

Anja Nachtweide, die schon in ihrer Diplomarbeit die Ausbildung von Schulbibliothekaren in Südtirol, Dänemark und Deutschland verglichen hatte, berichtete auch über die neueste Entwicklung, die Evaluation der Arbeit in den Schulbibliotheken und die Verleihung von Gütesiegeln, verbunden mit höheren Zuschüssen.

Die Diskussion kreiste natürlich darum, was anders ist, was man mitnehmen kann, was die nächsten Schritte in Treptow-Köpenick sein sollten. Dort ist unter Leitung von Simone Frübing schon viel entstanden, worum andere Berliner Bezirke sie beneiden.

Die Bibliothekarinnen waren beeindruckt von der Integration der Bibliotheken in die Schule, von der Einbindung ins Lehrerkollegium durch Bibliothekslehrer und Bibliotheksrat. Die Arbeitsziele der Schulbibliothek („Leitbild“) sind Bestandteil des Schulprogramms. Besonders auffallend war für sie der hohe Anteil von Unterricht, der in den Räumen der Schulbibliothek stattfindet.

Die Kriterien der Evaluation zielen darauf ab: Wie die Bibliotheksmitarbeiter/innen zur Qualität der Schule beitragen. Deswegen wird nicht nach Ausleihzahlen gefragt, sondern nach der Anzahl der Unterrichtsstunden, die eine Klasse während des Schuljahrs in der Bibliothek verbringt (Bis zu 70!).

Manchem Zuhörer wurde plötzlich deutlich, warum es Schulbibliotheken in Deutschland so schwer haben. Das Verständnis von Schulbibliothek ist anders!

Hierzulande ist die Schulbücherei in den Augen der Öffentlichkeit, vieler Bibliothekare und der meisten Lehrer ein Hort guter Bücher, die man nach dem Unterricht zu Hause lesen sollte. In Ganztagsschulen ein Refugium zum Schmökern in der Mittagspause, in Grundschulen ein Ort der zusätzlichen Leseförderung neben den Klassenzimmern mit ihren Klassenbüchereien.

Daher fragen Kommunal- und Bildungspolitiker/innen sofort nach dem Sinn von Schulbibliotheken, wo das doch alles auch in der Stadtbibliothek möglich wäre. Doppelstrukturen und Konkurrenz sei das Letzte, was sich Kommunen erlauben könnten.

Auch aus der SBA gab es Beispiele dafür, wie sehr die Bibliotheksmitarbeiterin in das Schulleben, in die Klassen und den Unterricht hineinwirkt mit ihren Angeboten und Leistungen. Südtiroler Lehrer/innen sprechen von der Bibliothek als dem Herzen der Schule. Auch dieser Satz wird nachwirken.

Bleibt zu hoffen, dass solche Veranstaltungen auch von Schulleitern, Schulräten, Schulverwaltungsbeamten und Bildungspolitikern besucht werden. Auf dass sich das Bild von der Schulbibliothek in den Köpfen der Entscheidungsträger/innen ändere.

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