Personal für Schulbibliotheken?

Ich bin mit den Feinheiten des Berliner und Brandenburger Schulwesens noch nicht sehr vertraut. Daher mag nicht alles zutreffen oder machbar zu sein.

Das Land ist nicht für Schulbibliotheken zuständig, sondern die Bezirke. bzw. Landkreise und kreisfreien Städte. Deswegen ist es auf der Basis der jetzigen Regelungen dem Berliner Senat nicht möglich, Lehrer für die Leitung freizustellen oder Leiterstellen anderweitig zu besetzen.

Das muss politisch gewollt sein und die rechtliche Grundlage dafür geschaffen werden, dann ginge das. Also, dass z. B. eine Lehrerin mit sechs Stunden oder halber Stelle für die Leitung der SB freigestellt wird. In anderen Staaten geht das, u. a. Dänemark, USA.

In Hessen brauchen Lehrer, die zum Oberstudienrat oder Rektor für besondere Aufgaben befördert werden wollen, eine Zusatzaufgabe. In über 300 Fällen ist das die Leitung der Schulbibliothek. Das wird aber so nicht genannt, weil ein Landesbeamter keine Tätigkeit ausüben sollte, die vom Schulträger zu bezahlen ist. (Das geht nur beim Leiter des Kreismedienzentrums: Ein Lehrer leitet eine Einrichtung des Schulträgers! Das geht angeblich auf die Nazizeit zurück.)

Bisher kann man als Lehrer allenfalls einmal eine halbe oder einige wenige sog. Anrechnungsstunden (d. h. statt Unterricht eine Verwaltungsaufgabe übernehmen) erhalten, dann geht i. d. R. ein anderer leer aus, oder man wechselt jährlich.

Es gibt in vielen Bundesländern Experimente mit „autonomen“ Schulen. Da hat die Schulleitung Geld, mit dem sie Honorarkräfte „einkaufen“ kann oder sogar befristete Stellen schaffen kann. Z. B. wenn die Schulleitung aus drei Klassen à 20 zwei Klassen à 30 macht und damit 34 Lehrerstunden einspart, darf sie einen Teil der gesparten Stunden behalten.(Teuflische Idee!)  Es gibt dabei auch die Möglichkeit, Personalmittel in Sachmittel umzuwandeln und umgekehrt. Das ist alles haushaltsrechtliches Neuland, aber für engagierte Schulleiter eine große Chance. Auch in Berlin soll es solche „Töpfe“ geben.

Ganztagsschulen erhalten zusätzliche Geldmittel und einen besseren Personalschlüssel. Wenn die Schule entsprechende Prioritäten setzt,  kann sie jemanden für die Bibliothek holen, muss dann evtl. auf den Zeitvertrag mit dem Theaterpädagogen oder dem Sozialarbeiter verzichten.

Möglich ist auch, dass eine Landesregierung nicht nur Lehrer bezahlt, sondern auch pädagogische Assistentenstellen. Da könnte auch eine Stelle für die Schulbibliothek dabei sein. (In Frankreich gibt es das. Lehrer machen dort weder Pausenaufsicht noch Vertretungsunterricht noch Hausbesuche. Für die Bibliothek gibt es außerdem eine speziell ausgebildete Kraft – der/die documentaliste.)

In einer großen Schule mit drei Schulsekretärinnen könnte auch eine halbe Stelle für die Bibliothek abgezweigt werden. (Passiert ist es umgekehrt: Dort, wo es Bibliotheksstellen gab, wurde einmal eine gute Angestellte ins Sekretariat geholt.)

Vom Land bezahlte Assistentenstellen gibt es in NRW, läuft aber schlecht, in RPF wurde es abgeschafft. In Hessen hatte das Land die Schulträger, die Kreise und Städte, zu Assistentenstellen „verdonnert“. Das fanden die gar nicht schön und haben es langsam, aber wirkungsvoll rückgängig gemacht.

Das Land könnte den Kommunen aber auch Zuschüsse, Landesmittel, geben. Das wäre dann Mischfinanzierung. Ist aber auch nicht beliebt, schon gar nicht im Personalbereich.

Übrigens muss alles, was ein Landtag beschließt, also auch, dass es Schulbibliotheken geben muss, vom Land bezahlt werden („Konnexitätsprinzip“) Deswegen sind z. B. die allermeisten Bibliotheksgesetze, die gerade in Mode sind, das Papier nicht wert, auf dem sie stehen, weil da Landtage beschließen, dass Kommunen Bibliotheken zu unterhalten haben. Die Kommunen fragen achselzuckend nach der Konnexität.

Bleibt die Zusammenarbeit mit den öffentlichen Bibliotheken. Für die Verbände des Bibliothekswesens sind die Schulen seit einigen Jahren (wieder einmal) das Land, wo Milch und Honig fließen. Sie erhoffen sich von der Bildungspolitik Personalstellen und Geldmittel. Für sie steht die Zusammenarbeit mit der öffentlichen Bibliothek im Vordergrund, nicht so sehr die schulinterne Bibliothek.
Die öffentliche Bibliothek wäre der Ort der Leseförderung, der Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz. So heißt es in bibliothekarischen Verlautbarungen und in Bibliotheksgesetzen. Den Bildungspolitikern kommt das gerade recht. Können sie doch Forderungen nach mehr Schulbibliotheken mit dem Hinweis auf Kooperationen Bibliothek und Schule abbügeln.

Was geht? Einem Schulträger ist es nicht verboten, Personalstellen in Schulbibliotheken zu schaffen. Dann muss man entsprechende Haushaltsmittel einplanen und die Stellen in den Haushaltsplan einstellen. Damit ist noch nichts gewonnen, die können in letzter Sekunde wieder rausfliegen oder eine Stellenbesetzungssperre kommt. Geht aber theoretisch und in einigen Landkreisen auch praktisch, muss nur gewollt werden.

Es werden ständig neue Personalstellen in der öffentlichen Verwaltung geschaffen. Die neue Bundesregierung hat etwa 900 neue Stellen im Regierungsapparat geschaffen. Um wie geplant zu verhindern, dass „Reiche“ in den Genuss von Elterngeld kommen, müssen in den deutschen Finanzämtern jetzt gerade ca. 150 Stellen neu geschaffen werden. Das kostet in etwa die erhofften Einsparungen.

Was geht noch? Ich kenne ein Lehrerkollegium(!), das eine Stelle in einer Schulbibliothek finanziert. Es gibt Schulfördervereine, die das auch machen.

Es geht immer mal wieder ein zeitlich begrenztes Projekt, für das es Lehrerstunden oder sogar Stellen gibt. Nichts fürchtet die Verwaltung aber mehr, als dass daraus ein dauerhafter Beschäftigungsanspruch erwächst.

Kann man sagen, es blühen 1000 Blumen?

Die Programme zur Beschäftigung Langzeitarbeitsloser spreche ich hier  nicht an. Da bin ich ambivalent. Man sollte deutlich jedenfalls deutlich machen, dass die Schulbibliothek/-mediathek qualifizierte Menschen braucht. In vielen Staaten der Welt ist das ein Arbeitsplatz, der ein Studium voraussetzt.

Vielleicht ergänzt das jemand mit weiteren Tipps und Tricks, die in die Region passen!

Wenn sich jemand für die Schulbibliothekarin des 21. Jahrhunderts interessiert: Hier!