Gesucht: Eine Strategie für das Schulbibliothekswesen

Im Grunde ist bei den Schulbibliotheken alles geregelt:

  1. Die Landesregierungen/der Senat sind nicht zuständig.
  2. Für die Schulträger, Landkreise/Städte/Bezirke, ist das Bibliothekswesen eine freiwillige Aufgabe. Die Nennung von Schulbibliotheken in den Schulgesetzen beinhaltet keine Verpflichtung zu Bau und Unterhaltung. Das hat gerade wieder das MBJS in Beantwortung einer Landtagsanfrage zu Schulbibliotheken bekräftigt.
  3. Für Öffentlichkeit, Bildungspolitik, Schulverwaltung, Kommunen, Bibliotheksverbände sind Schulbibliotheken Teil des öffentlichen Bibliothekswesens. Die Eigenständigkeit, ihre  pädagogische Funktion, ihre Rolle im Unterricht und im Schulleben wird nicht gesehen.
  4. Für die Netzwerke der Bibliotheksverbände sind Schulbibliotheken ein (potentieller) Arbeitsmarkt. Eine spezifische Ausbildung gibt es aber nicht. Da das mit dem Arbeitsmarkt in Westdeutschland und Berlin (W) – 35000 Stellen in Schulen, so hieß es 1962 – mindestens zweimal (Bildungsreform Anfang 60er Jahre und Bildungsratsgutachten Anfang 70er Jahre) gescheitert ist, setzt man jetzt auf Kooperationsverträge „Bibliothek und Schule“ und Bibliotheksgesetze, in denen öffentliche B. zu Bildungseinrichtungen, zu medienpädagogischen Partnern der Schule, erklärt werden, die Anspruch auf Mittel aus den Bildungshaushalten hätten. Glücklicherweise sehen das nicht alle Bibliothekar/innen so und es gibt auch zaghafte Kritik an der Vernachlässigung der pädagogischen Dimension der SB in diesen Verbänden.  Weit verbreitet ist aber die Sicht, dass Schulbibliotheken eine Konkurrenz zur öB wären (Das erlebe ich gerade wieder in Potsdam), dass den Klassen in der öB Informations- und Medienkompetenz vermittelt würde.
  5. Für Bildungspolitik und Schulverwaltung ist diese Strategie entlastend. Können sie doch jetzt bei Forderungen nach Schulbibliotheken auf Kooperationsverträge verweisen (Beispiel MP Platzeck).
  6. Dieser Sicht folgend wurden in Berlin/Brandenburg die Schulbibliotheken nach der Jahrtausendwende zunehmend vernachlässigt. (In den 70ern war Berlin [W] für mich nahezu vorbildlich.) Für Berlin habe ich eine DLF-Sendung und einen GEW-Artikel gefunden, in dem der Rückgang erwähnt wird, in BRB gibt es eine Vereinbarung zwischen Landesfachstelle und MBJS, nicht in Schulbibliotheken zu „investieren“, sondern die öffentlichen Bibliotheken zu bevorzugen. Die Aktivitäten der AG haben daher in BRB zur Verärgerung der Bibliothekarinnen der Landesfachstelle geführt. Sie verweigern bisher jeglichen Kontakt.

Dies wäre m. E. die Ausgangslage für B/BRB.

Da die Verschuldung der kommunalen Gebietskörperschaften hoch ist, wird es jedenfalls keine Verbesserungen hinsichtlich des Personals – massenhaft Planstellen – geben.

Zielrichtung müsste vor allem das Land/der Senat sein. Bei denen liegt generell die Zuständigkeit für Schule, warum also nicht auch für Schulbibliotheken?

Dazu ist die aktuelle Diskussion um Bildungsgutscheine und Chipkarte hilfreich: Statt Schüler/innen aus einkommensschwachen Haushalten/Bedarfsgemeinschaften mit zusätzlichem Geld zu versorgen, mit dem Bücher (!), Nachhilfe- oder Klavierstunden gekauft werden sollen, sollte die Infrastruktur von Schulen und Kindergärten verbessert werden. Z. B. sollte es mehr Schulbibliotheken geben. Ein nicht geringer Nebeneffekt wäre, dass alle Kinder und Jugendlichen davon profitieren würden.

Wir sollten darüber reden, wie wir es schaffen, in die Koalitionsvereinbarung im nächsten Jahr in Berlin zu kommen und dafür realistische Vorschläge machen, die man nicht mit Verweis auf das o. a. Gesagte abbügeln kann.