Die Schulbibliothekarische Arbeitsstelle Treptow-Köpenick – ein interessanter Ansatz

Die meisten der inzwischen 35 Schulbibliotheken des Berliner Bezirkes Treptow-Köpenick sind erst in den letzten fünf Jahren entstanden. Ausgelöst wurde diese Entwicklung durch die Einrichtung einer Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle (SBA).identifier_tk

Sie hat die Aufgabe, die Entwicklung und Arbeit der Schulbibliotheken im Bezirk zu koordinieren und zu unterstützen. Zu den 35 Schulbibliotheksstandorten im Bezirk, die durch die SBA betreut werden, gehören: 22 Grundschulen, 2 Förderschulstandorte, sieben weiterführende Schulen, 2 Schulbibliotheken in Nähe von Stadtteilbibliotheken und beratend zwei Privatschulen. Für weitere Schulen ist die Entstehung bzw. der Ausbau von Schulbibliotheken bereits geplant.

Meiner Kenntnis nach ist Treptow-Köpenick der einzige Verwaltungsbezirk in Berlin und Brandenburg, der eine solche SBA besitzt. Dabei ist das Konzept schon lange bekannt und wird erfolgreich in anderen Bundesländern realisiert. So gibt es zum Beispiel in Frankfurt am Main eine Schulbibliothekarische Arbeitsstelle, die der Stadtbibliothek angeschlossen ist. Sie ermöglicht, dass 79 Schulbibliotheken der Stadt betreut werden, gemeinsam Bücher bestellen und die selbe Ausleihsoftware benutzen. Über dieses Programm sind alle Schulbibliotheken zu einem Verbund zusammengeschlossen, sodass die Schülerinnen und Schüler nicht nur in der eigenen Schulbibliothek recherchieren können, sondern auch in den anderen – bzw. sogar in den ÖBs der Stadt. Darüber hinaus stellt die SBA der Stadtbücherei Frankfurt am Main Bücherkisten, Bilderbuchkinos, thematische Bücherrucksäcke und eine Schulbibliotheksrallye zur Verfügung.

Die SBA in Treptow-Köpenick gibt es noch nicht lange und kann trotzdem schon beträchtliche Erfolge aufweisen. Sie entstand im Jahre 2005, ist seit zwei Jahren dem Schulamt zugeordnet und arbeitet seitdem auf der Grundlage einer Vereinbarung zwischen dem Amt für Bildung und dem Schulamt im Bezirksamt Treptow-Köpenick „Zur Vermittlung und Förderung von Lese-, Sprach-, Informations- und Medienkompetenz an Schülerinnen und Schülern und Kooperation mit den Lehrkräften in den Schulen im Bezirk Treptow-Köpenick“. Dieser Vertrag sorgt dafür, dass für die Entwicklung von Schulbibliotheken eine Personalstelle zur Verfügung steht, die durch eine ausgebildete Bibliothekarin besetzt ist. So ist es möglich, dass unter fachkundiger Anleitung Schulbibliotheken entstehen und eingerichtet werden, die sich gegenseitig unterstützen, gemeinsam geschult werden und mit übereinstimmenden Konzepten arbeiten.

Der große Vorteil besteht darin, dass nicht jede Schule „das Rad neu erfinden“ muss. Es gibt jetzt in Treptow-Köpenick jemanden, der berät, wenn eine Schulbibliothek eingerichtet, ein Raum ausgesucht, Regale aufgestellt und ein Ordnungssystem gefunden werden soll. Meist sind es ja keine Fachleute, die in den Schulbibliotheken arbeiten und plötzlich die Öffnungszeiten festlegen, mit den Lehrern zusammenarbeiten, die Strichcodes ausdrucken und Veranstaltungen in der Bibliothek organisieren. Da ist es schon gut, wenn es einen „echten“ Bibliothekar im Stadtbezirk gibt, der nur für Schulbibliotheken verantwortlich ist und Zeit hat, bei solchen Fragen weiterzuhelfen.

Geleistet wird die schulbibliothekarische Arbeit in Treptow-Köpenick durch Frau Simone Frübing. Unter ihrer Leitung stieg der Anzahl der durch die SBA betreuten Bibliotheken von vier im Jahre 2005 auf 35 im Jahr 2010. Mit großen persönlichen Einsatz leitet sie die Schulbibliothekare an, berät die Schulleitungen und erläutert Lehrern, was eine gute Schulbibliothek für die Schule leisten kann.

In den Schulbibliotheken selbst sind 45 Mitarbeiter tätig, darunter MAE-, ÖBS- und BEZ-Kräfte sowie einige Ehrenamtliche. Jedes Jahr ist es aufs Neue schwierig und aufwändig, eine finanzielle Grundlage für diese Arbeit zu schaffen. Die Tätigkeit in einer Schulbibliothek ist zwar aus Sicht der Jobcenter „förderungswürdig“. Aber stets sind die Verträge nur befristet und laufen aus, ohne dass für die Leute und für die Bibliotheken eine Anschlussförderung vorgesehen ist. Einen großen Teil ihrer Arbeitszeit verbringt Frau Frübing mit der Lösung dieses Problems. Hier ist weitere Unterstützung notwendig.

Bei allen Schwierigkeiten schreibt die SBA Treptow-Köpenick eine Erfolgsgeschichte, die Mut macht und große Potenzen in sich birgt. Vielleicht ist es sogar ein gutes Modell für andere Regionen in Berlin und Brandenburg.

Kontakt zu Frau Frübing: fruebing.sba-tk@gmx.de