Nutzermonitoring der Öffentlichen Bibliotheken – Schulbefragung in Berlin

Folie1Die AGSBB e.V. berichtet auf dieser Homepage über das Projekt  Nutzermonitoring der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (NuMoB). Der dritte Teil bezieht sich auf eine Befragung aller Schulen Berlins.

Gemeinsam mit der Berliner Senatsschulverwaltung schickten die Öffentlichen Bibliotheken Ende 2014, Anfang 2015 einen Fragebogen an insgesamt 662 Öffentliche Berliner Schulen. Der Bitte um Beantwortung der Fragen folgten 250 Schulen, davon 52 % Grundschulen, 21 % Gemeinsschaftsschulen/ISS und 14 % Gymnasien. Der Bezirk mit der höchsten Beteiligung war mit 27 Schulen Marzahn-Hellersdorf. Im Mittelwert haben die beteiligten Schulen 644 SchülerInnen, davon 176 lehrmittelbefreite. 193 von ihnen haben eine andere Muttersprache als Deutsch.

Der erste Fragekomplex bezog sich auf die Nutzung der Öffentlichen Bibliotheken Berlins. Er zeigt, dass die meisten Schulen die Bibliotheken der Stadt kennen und nutzen, nicht selten sogar einen Kooperationsvertrag haben.

Folie6Spitzenreiter in der Nutzung der Öffentlichen Bibliotheken sind dabei die Grundschulen, aber auch Sekundarschulen nutzen die Öffentlichen Bibliotheken.

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Die am meisten gewählten Nutzungsarten sehen Sie hier:

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Es wurde auch gefragt, warum die Öffentlichen Bibliotheken von Schulen nicht genutzt werden.

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Die Öffentlichen Bibliotheken werden von den Schulen als kompetent, hilfreich und freundlich, aber eher weniger als innovativ wahrgenommen.

Folie10Dabei wünschen sich die Schulen von den Öffentlichen Bibliotheken weit gehende, auch moderne Dienstleistungen: Persönliche Beratungen und Empfehlungen werden ebenso nachgefragt wie Lernportale für Schüler und der Buchankauf für die Schulbibliothek.

Folie11Interessant ist auch, dass sich die Schulen eine intensive Unterstützung im Bereich Medienbildung, z.B. bei eLernkursen, CyberMobbing, wissenschaftlichem Arbeiten und der Qualitätssicherung für Unterrichts- und Lernmaterialien wünschen.

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Verschiedene Schultypen gewichten ihre Wünsche offensichtlich unterschiedlich: Während Grundschulen eher auf Buchempfehlungen hoffen, sehen Sekundarschulen die Öffentlichen Bibliotheken als Partner für Informationskompetenz.

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Der zweite Komplex des Fragebogens bezog sich auf die in den Schulen vorhandenen Schulbibliotheken. Offenbar haben etwa zwei Drittel der Schulen, die den Fragebogen zurücksandten, eine Schulbibliothek – also 165 Einrichtungen. In der Befragung waren dabei Treptow-Köpenick und Friedrichshain-Kreuzberg die Spitzenreiter.

Im Mittelwert verfügen die Schulbibliotheken über eine Fläche von 73 m² (Das entspricht etwa einem großen Klassenraum.) mit 4 PC-Arbeitsplätzen. Die sonstigen Arbeitsplätze wurden erstaunlicher Weise mit 19 angegeben. Über 70 % der Schulbibliotheken sind mit ihrer Tätigkeit im Schulprogramm verankert, oft auch im Ganztagskonzept enthalten. Sie verfügen mehrheitlich über eine eigene Benutzerordnung.

Die meisten Schulbibliotheken öffnen ihre Räume regelmäßig. Für 106 gilt dabei, dass sie im Mittel 21 Zeitstunden pro Woche geöffnet haben.

Die Antworten auf die Frage nach der Betreuung der Schulbibliothek zeigen, dass Schulen auf alle verfügbaren Personenkreise zurückgreifen müssen, um überhaupt über Personal für die Schulbibliothek zu verfügen. Eine einheitliche Lösung gibt es eben in Berlin nicht.

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Die Bestandsgröße variiert beträchtlich – ebenso die Quellen des Bestandes.

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Unter „Sonstiges und zwar“ wurde notiert:

Altbestände der Schule, American Trust Fund, Bertelsmann-Stiftung und Bonusprogramm, Bonusprogramm, Bonusprogramm, Bonusprogramm Berliner Schulen, Bonusprogramm der Senatsverwaltung, Bookweek Projektwoche, Büchertisch, Büchertische etc., Grundstock war „Rettung“ vor Entsorgung, Kooperationsprojekt mit der HU zu Berlin, Mittel des Bezirks Treptow-Köpenick, Preisgelder aus Wettbewerben, Privatbesitz, sporadisch Mittel von SBA Treptow-Köpenick in ungenügender Höhe, Stiftung Lesen, Tauschprogramm mit der Öffentlichen Bibliothek, weiß nicht

Bei der Frage nach dem Computerprogramm für die Schulbibliothek ergab sich ein buntes Bild: Zu überwiegen scheinen die selbstgebastelten Lösungen oder die Ausleihe per Zettelkasten. Als aktuelle Softwareprogramme werden PS Biblio und Perpustakaan genutzt. Auch Magellan Bibliothek hat mit 9 % einen gewissen Anteil an Schulbibliotheken überzeugt.

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Die Angaben unter „Sonstiges und zwar“ zeigen noch einmal die Heterogenität in der Medienverwaltung – und auch einige Pläne.

Buchliterat, Das kann ich jetzt nicht genau sagen. Wir benutzen aber eine Software. Bib 2, bisher keine, eigene Software, Umstellung geplant (voraussichtlich Littera), eigenes Programm vom LK Informatik erstellt, Excel, Karteikarten, Excel-Tabelle, Magellan ist in Vorbereitung, Exlibris, Follett Destiny, Handausleihe, Magellan in Vorbereitung, handschriftlich, Karteikarten, Karteikasten, Karten, keine, konventionelle Kartei, leider keine, Magellan wird eingeführt in diesem Schuljahr, Magellan, manuell, Microsoft Excel, noch im Aufbau, bisher Karteikarten, noch keine Ausleihe möglich, keine Software, noch keine, aber wir hätten großes Interesse an Software, noch offen, Octobase, Paidosoft, Papierkartei, per Hand, schriftliche Liste, selbst erstellte Bibliothekssoftware, selbst erstellt, unbekannt

Die Schwerpunkte ihrer Arbeit sehen die Schulbibliotheken offensichtlich in pädagogischen Aspekten: Die Unterstützung der Entwicklung von Lese- und Medienkompetenz wird sehr oft genannt. Die Nutzung der Schulbibliothek als Kommunikationszentrum, Lernort und Rückzugsraum wird ebenso angegeben.

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In ihrer Arbeit nutzen viele Schulbibliotheken Kooperationen, vor allem mit den Öffentlichen Bibliotheken und der Arbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken Berlin-Brandenburg e.V. (AGSBB e.V.), aber auch mit benachbarten pädagogischen Einrichtungen.

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Fazit: Insgesamt zeigt die Umfrage, dass an den Berliner Schulen durchaus Schulbibliotheken in beträchtlichem Umfang vorhanden sind und von den Lernenden genutzt werden. Angesicht der vielen Schwierigkeiten, die sich beim Aufbau und bei der Erhaltung einer Schulbibliothek ergeben, ist dieses Ergebnis durchaus bemerkenswert. Die Schulen sehen in den Schulbibliotheken offensichtlich ein besonderes Kommunikationszentrum, das ihre SchülerInnen auf dem Weg zu solider Lese- und Informationskompetenz im und außerhalb des Unterrichts unterstützt. Die Schulen wünschen sich dabei die fachliche Unterstützung der Öffentlichen Bibliotheken – nicht nur für die Grundschulen, sondern verstärkt im Bereich Medienbildung für die Sekundarschulen. Und nicht zuletzt benötigen sie Ressourcen für ihre Schulbibliothek: für das Personal und den Bestandsaufbau – sowie eine moderne Softwarelösung für die Medienverwaltung.

Die Ergebnisse der Befragungen können Sie hier erneut nachlesen:

 


Teile der Artikelserie:

Einleitung in die Befragung

  1. Bevölkerungsbefragung
  2. Nutzer-Monitoring
  3. Schulbefragung