Schulbibliotheken im Aufwind

Durch ein Projekt in Marzahn-Hellersdorf schießen Schulbibliotheken wie Pilze aus dem Boden.

Als 2011 der Wettbewerb „Schulbibliothek des Jahres“ der Arbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken in Berlin und Brandenburg (AGSBB) stattfand, war Marzahn-Hellersdorf der einzige Stadtbezirk Berlins, aus dem sich keine Schulbibliothek beteiligte. Die über 30 Bewerbungen aus den anderen Bezirken zeigten anschaulich, welche Beiträge Schulbibliotheken zur Leseförderung sowie zur Entwicklung von Sprache, Toleranz und Medienkompetenz leisten können.

Inzwischen weht ein frischer Wind in den Schulbibliotheken von Marzahn-Hellersdorf. An insgesamt 17 Schulen werden sich in diesem Jahr die Bibliotheken ein großes Stück weiterentwickeln: Das Melanchthon-Gymnasium arbeitetet hart daran, die nach einem Umzug geschlossene Schulbibliothek zum neuen Schuljahr wieder zu eröffnen. In der Schulbibliothek der Julius-Hecker-Sekundarschule läuft die elektronisch Erfassung der Medienbestände. Die Paavo-Nurmi-Grundschule hat jetzt regelmäßige Öffnungszeiten für ihre Schulbibliothek, die auch im Unterricht und von den Lesepaten genutzt wird – und die Kinder vom Vorlesewettbewerb lesen in der Schulbibliothek den Schulanfängern vor. Am Siemens-Gymnasium öffnet die Bibliothek inzwischen an jedem Schultag von 7:30 Uhr bis 15:30 Uhr. Neben einem gut sortierten Medienbestand warten dort 17 PC-Arbeitsplätze auf die SchülerInnen. Die Peter-Pan-Grundschule startet erfolgreich einen Aufruf zu Bücherspenden. Eltern, das Kollegium und der Berliner Büchertisch beteiligen sich. Neubestellungen von Medien erfolgen in Absprache mit dem pädagogischen Personal der Schule. Büchervorstellungen und erste Autorenlesungen finden statt.

Ursache dieser positiven Entwicklung ist ein Projekt, das 2011 von der AG Schulbibliotheken und ProAB e.V. vorbereitet wurde und beim Bildungsstadtrat und jetzigen Bezirksbürgermeister Stefan Komoß sowie dem damaligen Schulrat Horst Langlotz Unterstützung fand. Es konnte erreicht werden, dass über eine AGH-Maßnahme des Jobcenters seit Februar 2012 Personal in die Schulbibliotheken kommt. Diese Bibliothekshelferinnen und Bibliothekshelfer besitzen zwar keine bibliothekarische Ausbildung, setzen sich aber mit so viel Herz, Elan und Fleiß für ihre Schulbibliothek ein, dass sie für die Schulen ein großer Gewinn sind.

Unterstützt wird das Projekt „Bibliothekshelfer“ von vielen Seiten: So organisiert der Träger ProAB e.V. regelmäßig Treffen in der Schulbibliothek des Victor-Klemperer-Kollegs in Marzahn. Dort werden gemeinsam Probleme besprochen, Hilfen organisiert und Ideen vermittelt. Workshops und Diskussionsrunden erleben die BibliothekshelferInnen aber auch in Treptow-Köpenick. Die dortige Leiterin der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle, Simone Frübing, ist eigentlich für 37 Schulbibliotheken ihres Stadtbezirkes zuständig. Sie findet es aber wichtig zu helfen und organisierte schon mehrfach Veranstaltungen für die BibliothekshelferInnen aus Marzahn-Hellersdorf. Auch die Öffentlichen Bibliotheken aus Marzahn-Hellersdorf haben Unterstützung signalisiert. Mit ihrer fachlichen Kompetenz können sie dazu beitragen, dass nicht jede Schulbibliothek das Rad neu erfinden muss, sondern bewährte bibliothekarische Konzepte übernommen werden. In einer ersten gemeinsamen Aktion von Schulbibliotheken und Öffentlichen Bibliotheken werden die „Lesetage“ in Marzahn-Hellersdorf organisiert: Vom 22. bis 24. Oktober 2012 finden sowohl an Schulbibliotheken als auch an den ÖB vielfältige Veranstaltungen unter dem Motto „Wer liest, versteht“ statt. Der Bezirksbürgermeister Stefan Komoß hat die Schirmherrschaft für die „Lesetage“ übernommen.

Die Schulbibliotheken von Marzahn-Hellersdorf haben noch viel vor: Das Satre-Gymnasium möchte den großen Bestand der Schulbibliothek katalogisieren und eine Ausleihmöglichkeit für die SchülerInnen schaffen. An der Tagore-Schule soll die Fachliteratur integriert werden. Das Victor-Klemperer-Kolleg plant neue Veranstaltungen zur Vorbereitung der 5. Prüfungskomponente. Das Siemens-Gymnasium wünscht sich eine gute Bibliothekssoftware, mit der man auch den Lehrbuchbestand verwalten kann. Die Schulbibliothek der Peter-Pan-Grundschule hat die Idee, Bücherkisten für den Unterricht bereitzustellen – und die Paavo-Nurmi-Schule will mit Hilfe der Schulbibliothek die Lesekompetenz der SchülerInnen zu fördern.

Victor Wolter, Lehrer am Victor-Klemperer-Kolleg und Mitglied der AG Schulbibliotheken, hat dazu beigetragen, dass die Protagonisten des Bibliothekshelfer-Projektes zueinanderfanden. Er findet es wichtig, dass die Schulen die nun begonnene Entwicklung ihrer Schulbibliothek auch in Zukunft fortführen können. „Bestimmt“, da ist er sicher, „sind dann beim nächsten Schulbibliothekswettbewerb auch Teilnehmer aus Marzahn-Hellersdorf dabei.“

Die Kommentare sind geschloßen.