Kooperation der öffentlichen Bibliotheken mit den Berliner Schulen

Sicher nicht uninteressant zu wissen, was die öffentlichen Bibliotheken 2010 für die Berliner Schulen leisten:

  • Über 30000 Stunden Bibliotheksunterricht 2010 (Unterricht über die Bibliothek? Fachunterricht in der Bibliothek?)
  • Über 4 Mio Ausleihen, d. h. jede/r Berliner Schüler/in leiht jeden Monat ein Buch oder ein anderes Medium in der öB aus.
  • Und statistisch gesehen hat jede/r Berliner Schüler/in an einer Maßnahme der Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz in der öB teilgenommen.

Eine Zusammenarbeit mit öffentlichen Bibliotheken ist gut und wünschenswert. Schließlich „machen“ Schulen die Leser/-innen, die (später) die öffentlichen Bibliotheken nutzen.

Grundlage der Kooperation ist eine „Vereinbarung zur Zusammenarbeit der Bildungspartner öffentliche Bibliothek und Schule“ von 2008 zwischen Senat und dem Deutschen Bibliotheksverband dbv, der Interessenvertretung der öffentlichen Bibliotheken und ihrer Bibliothekar/-innen. Solche Verträge hat der dbv in fast allen Bundesländern bewirkt. Schulbibliotheken werden darin überwiegend gar nicht oder äußerst unkonkret genannt. Auch in dem oben zitierten Powerpoint-Vortrag von Berliner öB-Bibliothekar/-innen kommen Schulbibliotheken nicht vor. In Brandenburg verwies MP Platzeck auf den dortigen Vertrag mit dem dbv, als er nach Schulbibliotheken gefragt wurde. So kann man ein Thema outsourcen.

 

2 Replies to “Kooperation der öffentlichen Bibliotheken mit den Berliner Schulen”

  1. Man könnte den Eindruck bekommen, das sei so von beiden Seiten, den Landesregierungen und dem dbv beabsichtigt. Beide haben wohl ihre Gründe, wenn sie nicht sonderlich an Schulbibliotheken interessiert scheinen.
    Zudem: Vereinbarungen wie die Kooperationsverträge (Die keine rechtliche Qualität haben) sind politisch. Da werden Wünsche aus dem „politischen Raum“ in der Spitze der betroffenen Ministerien umgesetzt und als bedeutsam den Schulen und der Öffentlichkeit kommuniziert (Feierliche Vertragsunterzeichnung, Berichtspflicht der Schulen, Jubiläum der Vertragsunterzeichnung).

    In Hessen lässt sich der dbv-Vorsitzende, der praktischerweise Landtagsabgeordneter ist, regelmäßig von der Regierung über die Ausgestaltung und Umsetzung berichten. Die Staatssekretäre von Wissenschaft und Kultus empfangen ihn und den dbv-Vorstand zum Gespräch. Gelegentlich weist er selbst mit dem Instrument der „Kleinen Anfrage“ auf den Segen der Kooperation hin.
    Entsprechend wichtig ist es für die Schulaufsicht, zu berichten, wie viele Exkursionen in öffentliche Bibliotheken stattgefunden haben, wie viele Bücher an Schulen ausgeliehen wurden, wie viele Subverträge Schulen mit Bibliotheken abgeschlossen haben.
    Die Schulbücherei, die von der Lehrerin Meyer-Willich mit Hilfe von zwei Müttern neben dem Heizungskeller betrieben wird, kommt in dieser Welt nicht vor. Vorstellbar ist, dass man mit dem Thema „Schulbibliothek“ genauso umgehen könnte wie mit „Kooperationsverträgen“. Allerdings: Was Geld angeht, beißt der dbv beim Kultusminister bisher auf Granit.

    Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die Zusammenarbeit ist gut und richtig. Die habe ich schon praktiziert (Besuche, Fortbildung für Ehrenamtliche, Führungen, Blockausleihen), als es noch keine Verträge gab. Ich hatte auch ein kommunales Leseförderprojekt ins Leben gerufen, das die Zusammenarbeit finanziell (im städtischen Haushalt) auf solide Füße stellte.

  2. Man kann zu diesem Thema auch anmerken, dass sich erstaunlicherweise das Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein einer Schulbibliothek kaum auch die Zusammenarbeit der Öffentlichen Bibliothek mit der jeweiligen Schule auszuwirken scheint. Oft funktioniert das relativ losgelöst voneinander. Meine These dazu wäre, dass Schulen von Öffentlichen Bibliotheken und von Schulbibliotheken jeweils unterschiedliche Dinge erwarten und erhalten.

Die Kommentare sind geschloßen.