Z. B. die Schulbibliothek des Victor-Klemperer-Kollegs

In der AG hat man verabredet, sich gegenseitig einzuladen. Eine der ersten Veranstaltungen war im Victor-Klemperer-Kolleg (VKK) in Marzahn. Das VKK ist eine Schule des zweiten Bildungsweges mit ca. 450 Schülerinnen und Schülern, die das Abitur – nach den gleichen Lehrplänen und Regeln wie in den allgemein bildenden Schulen – nachholen.

Gastgeber Victor Wolter, Mathematik- und Physiklehrer sowie Bibliotheksleiter, und seine Kollegin Frau Greif stellten die Bibliothek vor.

Dabei gab es Erstaunliches zu hören: Es war die Schulleitung, die eine Bibliothek einrichten wollte. Die Bibliothek wird sich demnächst räumlich vergrößern. Dazu Victor Wolter: „Nichts passiert von alleine. Man muss Vorschläge machen, mitreden, überzeugen.“

Die Schulbibliothek ist auf dem Weg zum innerschulischen Dienstleistungszentrum. Schüler leihen dort u. a. auch Scheren aus. Die Lehrbücher werden elektronisch verwaltet und ausgegeben. Der zentrale Drucker der Schule wurde hier aufgestellt und hilft jetzt, den Papierverbrauch überschaubar zu halten.

Der OPAC kann auf allen Schulrechnern aufgerufen werden. Materialien der Schule, auch Präsentationen, die in der Bibliothek entstanden sind, sollen im Intranet stehen und werden in den OPAC integriert.

Während in großen englischen Schulen die Schulbibliothek sich schon in Richtung innerschulisches Profitcenter bewegt – Verrechnung ihrer Dienstleistungen über die Etats der Fachbereiche und Schulleitung – scheitert der Ausbau von Dienstleistungen hierzulande am fehlenden Personal. Das VKK hat einen Teilzeitmitarbeiter.

Die Leseförderung wird an der Schule nicht vergessen. Sie soll, was die Raumausstattung und den Belletristikbestand anbetrifft, ausgebaut werden. Allerdings ist die stoffliche Belastung für die Schülerinnen und Schüler, deren reguläre Schulzeit länger zurückliegt, groß.

Schwerpunktaufgabe ist der Lernort Schulbibliothek. Victor Wolter zeigte exemplarisch am physikalischen(!) Thema „Temperaturregelung“, welche Rolle eine Schulbibliothek im Unterricht spielen kann.

Da Lehrkräfte von selbst eher weniger darauf kommen, welche Möglichkeiten das Lernen in der Schulbibliothek bietet, haben er und Kolleginnen Unterrichtseinheiten ausgearbeitet, in denen Stationslernen stattfindet. (Klassenraum, Bibliothek, Physikraum; nicht zuletzt deswegen, weil die Bibliothek zzt. noch nicht ausreichend Platz für eine Klasse bietet.) Voraussetzung sind Lehrgänge, in denen Informationsrecherche trainiert wird. Das passiert inzwischen in allen Klassen.

(In einer der nächsten Ausgaben von „Schulmagazin“ des Ehrenwirth-Verlages weise ich auf Unterrichtseinheiten von Victor Wolter und Kolleginnen hin. Sie verdienten es, über das VKK hinaus Beachtung zu finden.)

Herr Wolter hat in seiner einführenden Präsentation die Rolle der Schulbibliothek aus den Erfordernissen der Schule abgeleitet: Zu praktisch allen Themen, nicht zuletzt aktuellen, kann die Schulbibliothek einen Beitrag leisten: Ernährungsberatung, Klimawandel, Poltikverdrossenheit, Drogenmissbrauch, Förderung von Jungen.

Brandenburger und Berliner Rahmenpläne verlangen, teilweise sehr konkret, Kompetenzen im Umgang mit Medien und Information. Schon vorgeschriebene und noch kommende Präsentationsprüfungen in Mittel- und Oberstufe sind ohne einen Lernort Schulbibliothek schwerlich vorstellbar. Die Schulbibliothek ist der Ort, an dem so viel möglich wäre.

Wenn die Lehrerinnen und Lehrer erst einmal erkannt haben, so Wolters Fazit, dass die Schulbibliothek ihnen einen Mehrwert bietet, kommen sie, nutzen den Raum und die Angebote.

Die nächste AGSBB-Veranstaltung findet in Köpenick statt. Termin und Thema werden auf der Website und im E-Mail-Verbund bekannt gegeben.

Berichtet jemand von der Veranstaltung am 17.6. in der Adolf-Glaßbrenner-Schule? Ich kann leider nicht kommen.